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Ein höchst lobenswertes Unterfangen

Georg Philipp Telemann hatte Recht: „Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen. Darum präge man das Singen jungen Leuten fleißig ein.“ Und für Yehudi Menuhin ist Singen „die eigentliche Muttersprache des Menschen“. Doch wie ist es denn in breiten Schichten der Bevölkerung um den Gesang bestellt? Das fragte sich der Carus-Verlag bereits vor zehn Jahren. Und startete sein erfolgreiches Liederprojekt.

In unserer schnelllebigen Zeit verändert sich vieles. Zum Beispiel die Bereitschaft und Fähigkeit, seine Stimme musikalisch richtig einzusetzen, also zu singen. Das beobachten auch Dirigenten berühmter Knabenchöre: In den Familien wird immer seltener gesungen und bei den Vorsingterminen solcher Ensembles ist es längst nicht mehr selbstverständlich, dass alle Kandidaten aus einem musikalischen Elternhaus kommen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat beispielsweise der Windsbacher Knabenchor, der regelmäßig im Rheingauer Musik Festival auftritt, das Nachwuchs-Konzept der „Klangfänger“ entwickelt: An verschiedenen Orten werden in kleinen Gruppen Jungs der ersten und zweiten Grundschulklasse behutsam ans Singen heranführt. Dabei erfahren sie auch, welchen Spaß das vor allem zusammen machen kann.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt geht der Mainzer Musikprofessor Felix Koch ähnliche Wege und veranstaltet jeden Sommer auf dem Domplatz ein großes Grundschulkonzert mit stets über tausend kleinen Sängerinnen und Sängern – Tendenz steigend. Die Lehrkräfte werden hierfür in eigenen Seminaren geschult. Koch war Mitbegründer des Lehrerfortbildungsprojekts „Primacanta – Jedem Kind seine Stimme“ an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und leitete es von 2007 bis 2011. Er fordert, die Umsetzung des bereits vor Jahren vom Land Rheinland-Pfalz gefassten Beschlusses, dem Singen im Schulunterricht mehr Raum zu geben, noch intensiver zu verfolgen. Denn dass Singen gesund ist und sogar glücklich macht, ist hinreichend wissenschaftlich belegt.

Die Initiativen, um Kindern die Teilhabe an diesem Schatz zu ermöglichen, sind in der Zwischenzeit angewachsen. So hat der Mainzer Verlag Schott Music diverse Publikationen für Kinder verschiedener Altersklassen und Schulstufen aufgelegt und spricht damit Pädagogen und Singwillige gleichermaßen an. Ein besonderes Engagement auf diesem Gebiet feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen: Mit seinem Liederprojekt verfolgt der Carus-Verlag in Kooperation mit dem SWR das Ziel, Singen ganz allgemein wieder in der Gesellschaft zu verankern. Mittel zum Zweck sind spezielle Noteneditionen und begleitende CD-Produktionen.

Zu diesem kleinen Jubiläum hat Carus beispielsweise einen Band mit originellen und eigens für den Knabenchor Hannover geschriebenen Volkslieder-Arrangements herausgegeben, die der Chor in einem umjubelten Konzert im diesjährigen Rheingau Musik Festival sang. Dirigent Jörg Breiding betont: „Diese Initiative erleichtert den Zugang zum Genre Volkslied und macht es wieder attraktiv. Das wird insbesondere durch die Herausgabe von abwechslungsreichen Arrangements für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Niveaustufen der Chorszene erreicht.“

Initiator des Liederprojekts ist der Sänger Cornelius Hauptmann, der es 2009 mit Wiegenliedern als Experiment mit offenem Ausgang begann. Von der ersten Stunde wurde das Konzept unter Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel von Künstlern wie Juliane Banse, Christian Gerhaher oder Jonas Kaufmann gagenfrei unterstützt. Der Tenor Julian Prégardien fordert gar, dass jede Familie „ein Dreierpack Wiegen-, Volks- und Weihnachtslieder für’s Wohnzimmer“ erhalten solle.

Und wie kommt das Liederprojekt in der Szene an? Felix Koch nennt es eine „sprudelnde Quelle an Ideen“ für seine Arbeit mit Grundschulkindern. Auch der Mainzer Domkapellmeister Karsten Storck schätzt die mittlerweile elf Notenbücher des Liederprojekts als Instrument der Stimmbildung der Chöre am Dom. Auch in der schulischen Arbeit der Dommusiker in den Singklassen der Mainzer katholischen Schulen kommen die Lieder zum Einsatz. Besonders lobt Storck die SWR-Podcasts, mit denen das Projekt im Internet bestens unterstützt werde. Sie sind auch Teil des umfangreichen Internetauftritts https://www.liederprojekt.org mit Noten und Texten zu über 600 Liedern, Mitsingfassungen zum Kennenlernen und Noten zum kostenlosen Herunterladen.

Ganz praktisch gebraucht Enikö Szendrey die analogen wie virtuellen Publikationen des Carus-Liederprojekts: In ihren Konzert stimmt die Leiterin verschiedener hessischer Chöre stets auch ein oder zwei Lieder mit dem Publikum zusammen an. Damit will sie die Zuhörer nicht nur aktiv ins Konzertgeschehen einbinden, sondern ihnen tatsächlich etwas schenken: „Alle sind begeistert dabei und singen Lieder, die sie früher vielleicht mal kannten und jetzt wieder neu entdecken.“

Bis September 2020 unterstützt der Carus-Verlag mit der Aktion „Singen schenken“ jeden Chor, der in einem Konzert mindestens ein Lied aus dem großen Liederprojekt-Fundus gemeinsam mit dem Publikum singt, indem er Werbemittel für den Auftritt zur Verfügung stellt. Informationen gibt es unter 0711 797330217. Unter https://carus-verlag.com können sich die Chöre auch online bewerben.

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