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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Von Nasenflöten und Einhandklatschern: die A cappella-Gruppe „4xang“ aus Österreich

Ein ruhiges Stillleben bietet die Kabarettbühne da vor Beginn der Vorstellung: Ein Akkordeon, drei Stühle und eine Gitarre, wobei die Saiten des Instruments im matten Scheinwerferlicht blitzen. Doch eben dieser Schein trügt: Denn gleich werden die Protagonisten von „4xang“ die Bühne betreten.

Was genau das heißt, bleibt den Abend über im Unklaren – fest steht nur, dass die Gäste aus Österreich damit fulminant unterhalten. Denn in eine Schublade pressen lassen sich Klaus Kofler, Nino Holm, Wilfried Scheutz und Heinz Jiras schon mal nicht: Viergesang, so könnte man den Namen der Gruppe vielleicht übersetzen.

Und singen können sie, aus voller Kehle. Dass hierbei nicht auf punktgenaue Intonation geachtet wird, wie bei anderen A cappella-Formationen üblich, lässt die eigenwilligen Songs lebendiger und frischer daher kommen – statt sterile Perfektion steht bei „4xang“ die Spontaneität im Vordergrund.

„4 Goschen-Oper“ heißt das aktuelle Programm der Truppe, die jeden, der in seinem Leben auch nur eine Note gesungen oder gar niedergeschrieben hat, zielsicher anvisieren: Ob Händels „Messias“, Mozarts „Kleine Nachtmusik“, Haydn oder Beethoven, Weills Macki Messer oder die Marseillaise – alles wird geschmackvoll verwurstet. Eingestreut werden Wortspiele von albanischen Berggesängen von Alban Berg – wunderbar albern eben.

Stimmlich ist das Quartett auf der Höhe und besonders Klaus Koflers erotischer Bass erzeugt wohlige Gänsehaut, wenn er Paolo Contes „Sotto le stelle del Jazz“ mit rauchiger Stimme gibt – jäh unterbrochen von Wilfried Scheutz mit einer schrägen Persiflage auf die atonalen Auswüchse des Modern Jazz. Nino Holm hingegen glänzt als Augenakrobat und Einhandklatscher, während Heinz Jiras Nasenflöte spielt, wie es bislang nur Herbert Feuerstein konnte.

Auch wenn man ob des österreichischen Dialekts nicht jede Liedstrophe oder Pointe auf Anhieb versteht: Die Mischung stimmt – vom Rezept für ein mit Schaf, Truthahn, Gans, Schnepfe und drei Bio-Zitronen (der Schale wegen!) gefüllten Ross über witzige Parodie bis hin zum Seminar über die alpine Ausdrucksform des „Gstanzls“. Oder wann sonst hört man das Lied „Sah’ ein Knab’ ein Röslein stehn“ in einer Rammstein-Version oder den Piaf-Chanson „Je ne regrette rien“ wie von Tom Waits geröchelt?

Was „4xang“ bietet, ist also musikalischer Klamauk vom Feinsten, der sich irgendwo zwischen den Marx Brothers und Monty Python bewegt. Eine derart gehörige Portion Selbstironie tut aber gut! Und so mag man dem deutschen Kleinkunstpublikum sowie den Veranstaltern beherzt zurufen: „Haltet die Goschen – und zwar hoch!“

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