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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Lebendige Bläsersätze mit dem arirang-Quintett in der Kelterhalle von Schloss Reinhartshausen

Nachdem das Julian & Roman Wasserfuhr Quartett die Reihe „Konzert & Brunch“ im Rahmen des Rheingau Musik Festivals mit einer Reminiszenz an den Jazz-Trompeter und -Sänger Chet Baker eröffnet hatte, war mit dem arirang-Quintett nun wieder die Klassik am Zug.

Keck ertönt die Querflöte wie ein glucksendes Lachen – so ganz ernst wird auch Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) sein „Andante für eine kleine Walze in einer Orgel in F-Dur“ (KV 616) nicht genommen haben. Die Auftragsarbeit für Graf Joseph Deym als „Hintergrundmusik“ für dessen Kuriositätenkabinett im Wien der 1790er Jahre erledigte der Komponist zusammen mit den Sätzen Adagio und Allegro für ein Orgelwerk in einer Uhr, der „Fantasie Nr. 1 in f-moll“ (KV 594) eher widerwillig, mutete ihn das Ganze doch nach eigenen Angaben etwas „kindisch“ an.

Man mag Mozart zustimmen oder nicht: In der Bearbeitung für Bläser-Quintett kann auch das kindische Moment recht erwachsen daherkommen. Das arirang-Quintett – Friedrich Haberstock (Flöte), Jörg Schneider (Oboe), Steffen Dillner (Klarinette), Monika Schneider (Fagott) und Sebastian Schindler (Horn) – ging Mozart mit gelungenen Korrespondenzen zwischen Höhe und Tiefe an und gestaltete die Musik mal mit ausschweifenden Pinselstrichen, mal hingetupften Farbpunkten gleich lebendig und anmutig.

KV 616 geriet transparent, wobei die fünf äußerst homogen arbeitenden Künstler die Modulationen voll auskosteten. Das fanfarenartig eröffnete Allegro ließ an das Goethezitat zum Streichquartett denken, in dem er vier klugen Menschen bei einer Unterhaltung zuzuhören meinte – im arirang-Quintett waren es nun fünf nicht minder geistvolle Interpreten, die auch Kompositionen, bei denen rasch ein gewisser akustischer Sättigungseffekt eintritt, lebendig und unterhaltsam zu gestalten vermochten: Da wird wild durcheinander geschnattert und nachgeplappert, um sich doch immer wieder auf das Eingangsthema zu einigen. Und siehe da: Auch das eher seicht Anmutende bekommt durch Witz und Esprit noch eine gewisse Tiefe.

Ähnlich ging es dem Bläserquintett d-moll op. 88 Nr. 4 von Anton Reicha (1770-1836), in dem sich ebenfalls kleine, doch hörenswerte Dialoge mit immer wechselnden Protagonisten entwickeln. Mit Transparenz und dynamisch schönen Schattierungen zeigte das arirang-Quintett stets die nötige Präsenz und gestaltete das ruhige Andante des zweiten wie das vitale Menuetto des dritten Satzes mit Finesse und der richtigen Mischung aus Ernst und Augenzwinkern.

Und das kam mit den Trois pièces brèves von Jacques Ibert (1890-1962) ebenfalls nicht zu kurz. Wiederum war es die hör- und spürbare Homogenität, die den Charakter dieser fast schon swingenden Stücke trefflich unterstrich; auch hier gestalteten die Mitglieder des arirang-Quintetts klangschöne Dialoge zwischen der hell klingenden Flöte und der dunkel gefärbten Klarinette.

Fast mutete der finale Ibert allerdings „nur“ als Überleitung zu den Zugaben an: Denés Agays Rumba und Tango aus den „Five easy dances“. Hier waren die fünf Musiker in ihrem Element und zeigten, dass das bereits vielfach ausgezeichnete arirang-Quintett sowohl in der Klassik als auch in der unterhaltsamen Moderne gleichermaßen zuhause ist.

Weitere Konzerte der Reihe „Konzert & Brunch“ finden bis in den Monat April statt. Informationen hierzu finden sich auf der Website des Rheingau Musik Festivals unter www. rheingau-musik-festival.de.

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