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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Bodo Wartkes „Noah war ein Archetyp“: Der Wortjongleur greift wieder in die Tasten

Schönbergs Zwölftonmusik erwartet man wahrscheinlich als Allerletztes auf einer Kleinkunstbühne. Doch Bodo Wartke macht daraus eine ganz große Nummer: Er singt, spielt Klavier, mal gleichzeitig, mal hintereinander: „Am liebsten hintereinander, denn ich soll hier 45 Minuten Programm machen, habe aber nur für 22,5 Minuten Nummern.“

Als Bodo Wartke 2004 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Musik, Chanson und Lied erhielt, waren sich die Fachleute einig: Mit diesem jungen Sänger hat der große Robert Kreisler einen ebenbürtigen Nachfolger gefunden.

Sein aktuelles Programm mit dem Titel „Noah war ein Archetyp“ ist, wie Wartke freimütig bekennt, Etikettenschwindel, denn bis auf ein kleines, aber feines Gedicht kommt der Sintflut-Skipper nicht vor. Dafür nimmt der Sänger in Liebesliedern, die er zur leichteren Zuordnung stets mit einem Frauennamen versehen hat, selbstironisch seine Verhältnisse zum schönen Geschlecht aufs Korn. In Tier-Gedichten, die in ihrem Wortwitz sogar den großen Heinz Erhardt übertreffen, führt er sein Publikum oberlehrerhaft hinters Licht und immer wieder schleicht sich auch der politische Witz auf leisen Sohlen, aber höchst anspruchsvoll durch manchen Song.

Wenn der junge Chansonier leicht schlaksig und jovial die Bühne betritt, hat er sofort sämtliche Sympathien auf seiner Seite – und Saite, denn was Wartke da am Klavier, dem er kollegial und mit freundlicher Geste stets einen Teil des Applauses überlässt, zaubert, sucht seinesgleichen. Äußerlich brav, ein bisschen wie Harry Potter mit eckiger Brille und ohne Stirnblitz-Tattoo hat der Wahlberliner tatsächlich etwas von einem Magier: Was er mit Sprache und Musik anstellt, kann kaum mit rechten Dingen zugehen.

Der stete Untertitel seines Bühnenschaffens lautet „Kabarett in Reimkultur“, der Umgang mit Worten und Sätzen ist so geistvoll wie temporeich. Da wird munter Silbe an Silbe gereiht, das Versmaß locker gesprengt, verkürzt, bewusst sinnentstellt – aber mit was für einer Qualität!

Doch jetzt endlich zur Nummer mit der Zwölftonmusik: Nach einem kurzen entsprechenden Introitus parliert er kurz über dieses hohe Kulturgut und vergleicht es treffend mit dem Kommunismus („In der Theorie gut, ist aber an der Realität gescheitert.“). Dann wird das Ganze verjazz, wobei Wartke es noch mit einem Sketch zwischen Gast und Kellner unterlegt, in dem er alle zwölf Töne mit „Namen“ unterbringt („Herr Ober, da ist ein h in meinem fis…“) – nach dieser Nummer überlegt man zweimal, ob man stürmisch applaudieren oder sich nicht hochachtungsvoll vor Wartke verbeugen soll. Aber da man nun mal im Kabarettgestühl sitzt, applaudiert man begeistert – und voller Bewunderung für einen Sänger, der König Midas gleich jedes Thema anpacken kann: Sprachlich und musikalisch wird alles sogleich zu Gold.

Mehr zu Bodo Wartke gibt es im Internet unter www.bodowartke.de; dort kann man auch Texte und (ganz legal!) Lieder herunterladen.

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