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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Das Glenn Miller Orchestra Europe spielt handwerklich perfekt den Swing der 30er Jahre

Zum Einzug der Musiker kommt die Musik im Mainzer Kurfürstlichen Schloss noch aus der Konserve – aber wozu sollte man auf den Klang vom Band zurückgreifen, wenn gleich „The world famous Glenn Miller Orchestra“ seine Plätze eingenommen hat? Vorhang auf also für Swing vom Feinsten mit den Hits von „Stardust“ bis „In the Mood“ und manch unbekanntem Song aus vergangenen Tagen!

Der Klang der von Beethoven adaptierten „Moonlight Serenade“ mutet gleich an wie ein großer Klacks Sahne, der langsam in den tiefschwarzen Kaffee rutscht. Wil Salden, der Bandleader des Glenn Miller Orchestra, hat es sich mit seiner 16-köpfigen Big Band zum Ziel gemacht, möglichst nah am Original zu spielen. Und das funktioniert, weil alle den Swing, jene klingende Münze mit den beiden Seiten, dem rein rhythmischen Element des Jazz und dem musikalischen Geist der 30er Jahre, hörbar lieben.

Herrlicher Big Band-Sound in Klassikern wie „American Patrol“, „Tuxedo Junction“ oder „Kalamazoo“, ohne die ein Glenn Miller-Konzert überhaupt nicht denkbar wäre, wechseln sich hier ab mit eher selten zu hörenden Titeln wie „Oh Johnny“, „Let’s All Sing Together“ oder „A Cabana In Havanna“, die von Sängerin Miëtt Molnar mit voller Stimme gefühlvoll interpretiert werden.

Dazu kommen gelungene Soli von Hansjörg Fink (Posaune), Wiebe Schuurmans (Saxophon) oder Klaas Balijon, der mit seinen Drums im „Bugle Call Rag“ kräftig loslegt und sogar das Podestgeländer oder seinen Stuhl zum Instrument macht. Gekonnt und passend setzen die Blechbläser ihre Accessoires vom Hutdämpfer für ein sattes Subito Crescendo über den Plunger bis zum Cup für eine weiche und dunkle Intonation ein.

Nicht nur in „Perfidia“ wird der berühmte Glenn Miller-Sound deutlich hörbar, bei dem der Klang auf je zwei Alt- und Tenorsaxophonen sowie einer Klarinette basiert. Aber auch in den anderen Titeln stehen die Musiker ihrem Original sehr nah, wobei man Wandlungsfähigkeit beweist, wenn mit „Begin The Beguine“ oder „Let’s Dance“ Nummern von Artie Shaw und Benny Goodman auf dem Programm stehen.

So sehr Wil Salden den Geist von Millers Musik aufgesogen und in handwerklich einwandfrei gespielte Songs umsetzen kann, so wenig liegt ihm jedoch eine ansprechende Moderation. Etwas linkisch und launig gleichen seine deutsch-holländischen Ansagen zwischen den Titeln eher denen eines engagierten fliegenden Händlers, der in der Fußgängerzone Gemüsereiben oder Teppichreiniger anpreist.

Gleichviel: Wenn der „Chattanogaa Choo Choo“ durchs Kurfürstliche Schloss rauscht, die Big Band den „Blueberry Hill“ erklimmt, mit „The Saint Louis Blues March“ augenzwinkernd Haltung annimmt oder abschließend nochmals die „Moonlight Serenade“ erklingen lässt, dann fällt einem nur der Titel eines ebenfalls gespielten Songs ein: „‘S Wonderful“.

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