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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Katja Ebstein & Band in Schloss Engers – ein Konzert mit rotem Faden

„Theater, Theater“ klingt es über den abendlichen Schlossplatz in Engers am Rhein. Und „Wunder gibt es immer wieder“ auch, denn was wäre ein Konzert von und mit Katja Ebstein ohne ihre „alten“ Lieder? Die, bekennt sie freimütig, intoniert sie immer wieder gerne.

Und so beginnt ein weiteres Konzert in der Open air-Saison von Schloss Engers, der Kammermusikakademie der Landesstiftung Villa Musica – diesmal ohne Mozart & Co.

Ob das passt? Und ob das passt! Schloss Engers steht nicht nur für die ernste Kunst der Klassik, sondern auch für die unterhaltsame Seite des Musenkusses – und hier sind die Lieder der Ebstein am richtigen Platz: mal keck, mal mahnend, mal besinnlich und dann wieder heiter, ja aufmunternd und ermutigend.

In der Pause hört man ein begeistertes Raunen: Nicht nur in ihren Texten, sondern auch vom äußeren Habitus her mache sie noch immer eine imponierend agile Figur, ist die Ansicht nicht nur des männlichen Publikumsteils. Und das fällt doppelt ins Gewicht (ein Thema übrigens, mit dem Katja Ebstein offenbar nicht zu kämpfen hat), gilt die Künstlerin doch als eine Art „Urgestein“ des deutschen Schlagers, ein Relikt aus einer Zeit, in der dieses Genre noch nicht von weichgespültem Akkord und oberflächlichem Text geprägt war.

Unterstützt wird Katja Ebstein von einer äußerst gut aufgelegten Band: Stefan Kling (Klavier), Eudinho Soares (Gitarre), Guilherme Castro (Bass), Stanley Blume (Saxophon und Klarinette) sowie Rolo Rodriguez (Schlagzeug). Gemeinsam spielen sie „Meine Lieder“: „On the road again“, augenzwinkernde Chansons über das Altern, ergreifende Verse über das Verlassenwerden oder Klassiker wie „As time goes by“ mit deutschem Text. Zu Ebsteins Favoriten gehören auch die Songs aus der Gershwin-Oper „Porgy & Bess“, Titel wie „Unrasiert“, „In diesem Land“ oder „Inch Allah“ von ihrem Album „Witkiewicz“ und natürlich mit Berliner Schnauze Gesungenes, quasi ein vertonter Zille.

Wie ein roter Faden – und die Farbe hat Katja Ebstein nicht zufällig gewählt – zieht sich aber auch die politische Überzeugung der Sängerin durchs Programm, wenn sie gegen Krieg, Umweltzerstörung und Ausbeuterei singt: Die Aktualität ist nicht nur im Heine-Lied über die schlesischen Weber greifbar – und Katja Ebstein versteht es, ihre Zuhörer unabhängig von deren weltanschaulicher Couleur anzusprechen.

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