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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Malediva serviert Bittersüßes zum Fest

Am Baum hängt viel Lamotta. Lamotta? „Ja, das ist goldenes Lametta.“ Selbst aus einem Versprecher machen Tetta Müller und Lo Malinke, die am Klavier begleitet von Florian Ludewig das 2006 mit dem Kleinkunstpreis ausgezeichnete Trio Malediva bilden, noch einen Gag. Und genauso lecker ist auch ihr Weihnachtsprogramm „Lebkuchen“.

„Gehen wir zu Dir oder zu mir?“ Nein, die Antwort auf diese Frage leitet kein kuscheliges Tet-â-tet ein, sondern verlangt nach einer Lösung, bei welchen Eltern man dieses Jahr Weihnachten verbringen soll. Wobei: Überall ist es gleich schlimm: „Weihnachten mit den Eltern ist wie Weihnachten mit Hunden – jede Minute zählt siebenfach“, sinniert Malediva.

Es geht um Weihnachtsbäume („Dieser Baum ist hässlich? Sagen wir lieber, er war günstig.“), um das Christkind, das sich die Gäste seiner Geburtstagsparty nun mal leider nicht aussuchen kann und um den letztendlich doch boykottierten Besuch zuhause, weswegen die Mutterhölle droht: „Da stehen dann ganz viele Mütter in einer Reihe und die flüstern dann ‚Ich bin nicht wütend, nur enttäuscht.‘“

Müller und Malinke bilden ein herrliches (und auch im „wirklichen“ Leben verheiratetes) Paar, das in rasanter Fahrt über die Beziehungsschiene gleitet, die an Weihnachten besonders gut gewachst ist. Dass die beiden waschechten Kerle dabei handwarm ihre Liebe zum gleichen Geschlecht als bittersüße Note einfließen lassen, hebt die zickigen Kabbeleien von anderen Mann-Frau-Comedians ab und ist dabei nicht nur saukomisch, sondern auch in seiner Übertreibung mit vielen feinen Untertönen auskomponiert.

Unschlagbar ist die Malediva-Version der Weihnachtsgeschichte: Maria hat einen Reinlichkeitsfimmel und wünscht sich daher die unbefleckte Empfängnis, der Stern von Bethlehem hat die Form eines Mettbrötchens und die versprochenen Hackbällchen bleiben aus. Wer mehr Apokryphes lesen will, kann dies gerne im Internet tun, wo Malediva diesen und andere Texte dankenswerterweise veröffentlicht hat.

Ein Gedicht vom Besuch eines Weihnachtsmarktes scheint tatsächlich „dem Leben abgeschaut“ und der nacherzählte Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, bei dem die beiden ihrem neuen gemeinsamen Hobby Weinen nachgehen, treibt einem tatsächlich die Tränen in die Augen – allerdings nicht aus Traurigkeit.

Und dann ist da noch die Sache mit den Geschenken: „Schenken ist ja schon schwer, aber noch viel schwieriger ist das Beschenkt werden.“ Das trifft auch auf das Programm „Lebkuchen“ zu, denn als Zuschauer hat man ja außer der gelösten Eintrittskarte nichts, was man so vielen warmherzig witzigen und niveauvollen „Päckchen“ entgegensetzen kann, es sei denn den Applaus: Und das tut das Publikum aus vollem Herzen, bevor es mit einem anrührend intonierten „Have yourself a merry little Christmas“ in den grimmig kalten Winterabend entlassen wird.

Mehr über Malediva gibt es unter www.malediva.de.

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