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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Staubtrocken und schwarzhumorig: Peter Shub begeistert als Pantomime und Stand up-Comedian

Wie er da im Trenchcoat kleidergebügelt am Garderobengestänge hängt und auf unsichtbaren Rollen dem Scheinwerfer-Spot hinterher jagt, das hat schon etwas Tragikomisches: Peter Shub gibt den Clown ohne rote Nase, dafür jedoch mit feinem Fingerspritzengefühl für die kleine, aber wirkungsvollen Pointe.

Da erhebt ein Korkenzieher revolverbedroht die beiden Bügel, wird englische Konversation gepflegt oder mit einem metallenen Metermaß rhythmische Sportgymnastik betrieben: Die Würze von Shubs Programm liegt in der Kürze der Nummern und ihrem unablässigen Niederprasseln aufs Publikum.

Eins entwickelt sich aus dem anderen, was der Show eine vitale Dynamik verleiht. Das bewahrt vor ohnehin rar gesäten Hängern und Rohrkrepierern: Es bleibt einfach keine Zeit, sich über eine vielleicht etwas schwache Pointe zu echauffieren. Oft sorgt nur ein Blick, ein Fingerzeig, eine winzige Geste, Mine oder noch weniger für den Knalleffekt. Und Beifall vom Band braucht Shub auch nicht – notfalls dirigiert er seinem folgsamen Publikum das begeisterte Klatschen in die Hände.

Dass mancher Scherz wie der frisierte Basilikum oder Pantomimenklassiker wie der kraftmaxegleich vor sich her geschobene Luftballon aus alten Programmen hinüber gerettet sind, fällt kaum auf und noch viel weniger ins Gewicht, denn Nummern wie der imaginäre Hund auf Gassigang kann man immer wieder sehen.

Der Abend mit Peter Shub ist zweigeteilt: Gab es im ersten Teil pantomimischen Klamauk auf zuweilen angenehm leisen Sohlen, fährt der Clown im zweiten die Geschütze der Brachialkomik auf. Dass er diese Genres nicht miteinander vermengt, ist geschickt, denn separiert kommt beides gut an.

Hier kauderwelscht Shub nach einem via Video eingespielten netten Unfug nach Herzenslust, berichtet über seinen „background“ („a black curtain“), bekennt, dass er Amerikaner ist und merkt zur darauf folgenden Stille die Worte „the normal reaction“ an. Staubtrocken und erfrischend schwarzhumorig kommen die Kalauer („Ich kann deutsch, z.B.: Bist Du fertig? Du bist zu schwer.“) und geistvollen Bonmots („Im Gegensatz zu einem faulen Apfel hat man bei einer Traube immer noch weitere Chancen.“). Die Mischung ist ausgewogen und bietet auch dem nach „some intellectual stimulation“ Dürstenden Grund zum rustikalen Ablachen. Selbst und gerade über manche Zote.

So ganz nebenbei kann man sich ein bisschen im Englischen üben, denn die meisten Nummern spielt Shub natürlich in seiner Heimatsprache; was übrigens auch das Geheimnis ihres Erfolges ist, denn wie albern der Gag auch sein mag – in einem fremden, doch verständlichen Idiom hat er seinen Witz.

Und so dankt Shub oskarmäßig „my parents who made this show possible and my family wich made it necessary“: Aber bei allem Klamauk: Der Mann mit Hütchen und Trenchcoat, dessen Äußeres und linkische Bewegungen ein bisschen an Jacques Tati erinnern, ist Clown von ganzer Seele. Und das merkt auch das Publikum, das für diesen Abend zwar auf wilde Tiger, fliegende Trapezkünstler und Pferde in der Manege verzichten muss, dafür aber zwei Stunden Spaß satt geboten bekommt.

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