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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Machen Frauen glücklich?
Aktuelles Programm von Thomas Reis

Man sitzt staunend im Zuschauerraum und reibt sich die Augen: Wo war Thomas Reis doch gleich stehengeblieben? Tja, Pech gehabt: Der Kabarettist bleibt eben nicht stehen. Einem Maschinengewehr gleich knattern die Pointen nur so los – gemäß dem Motto: Wo viel geschossen wird, wird auch viel getroffen.

Das Sujet, dem sich Reis in seinem aktuellen Programm „Machen Frauen wirklich glücklich?“ widmet, birgt die Gefahr, dass alles schon mal irgendwie da war. Dessen ist sich der Kabarettist auch bewusst, denn anstatt sein Programm stringent aufzubauen und sich der Frage quasi pseudowissenschaftlich oder platt und kalauernd zu nähern, stößt er es von verschiedenen Seiten an: „Frauen und…“ ist der rote Faden, an den immer wieder angeknüpft wird: Frauen und Sex, Frauen und Konsum, Frauen und Religion, Frauen und und und.

Das erlaubt ihm, kleinere Exkurse in Gefilde zu unternehmen, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben – was mitunter urkomisch, manchmal aber auch etwas langatmig und verwirrend gerät; manchem nur peripher femininem Thema wird gelegentlich etwas zu viel Raum eingeräumt und man läuft Gefahr, wie bei einem verbal hyperaktiven Ehepartner einfach mal auf Durchzug zu schalten.

Ohne Zweifel aber bekommt der Zuschauer einiges geboten: Eine reife schauspielerische Leistung allemal, denn Thomas Reis belässt es nicht bei einer Person, sondern schlüpft via Dialekt in verschiedene Rollen und spielt sich mit gewandtem Wortwitz und sprachlicher Finesse, schwarzem Humor und manch knallharter Derbheit durch aberwitzige Szenen. Dabei hat er auch viele Seitenhiebe auf Politik und Gesellschaft parat – ein Vollblut-Kabarettist eben.

Ob Frauen denn nun wirklich glücklich machen, bleibt indes nur vage beantwortet. Vielleicht haben sich doch schon zu viele Kabarettisten an diesem Thema versucht…

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