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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„alle fünfe!“, aber kein „strike!“

MAINZ (16. Juni 2013). Als sich vokale Bands wie die Gruppe „6-Zylinder“ gründeten, hatte der A cappella-Gesang noch lange nicht die Popularität wie heute: Jung, dynamisch, originell und vor allem hand- oder noch besser: mundgemacht konnte man sein Publikum allein schon durch die andersartige Präsenz begeistern. Können und Pfiffigkeit der Arrangements rundeten das klingende Kunstwerk ab.

Heute ist die Konkurrenz auch auf diesem Gebiet größer geworden – zum Glück: Die Kölner „Wise Guys“ füllen landauf landab die großen Hallen und die fünf Jungs der Ansbacher Gruppe „Viva Voce“ haben sich mit ihren frechen und vitalen Songs mittlerweile an die Spitze der Szene gesetzt. Das sollte für „alte Hasen“ genug Anreiz sein, vergleichbar zu bleiben.

Auch dem auf Quintett-Größe geschrumpften Ensemble „6-Zylinder“ gelingt es seit bald 30 Jahren, das Publikum zu unterhalten, auch wenn es zu Beginn der letzten Unterhaus-Vorstellung der Saison noch etwas knirscht. Mitklatschen will anfangs keiner so richtig und als vor der Pause ankündigt wird, der Abend sei schon fertig, muss man hinzufügen: „Hier solltet Ihr eigentlich reagieren.“ Pure Begeisterung hört sich anders an. Vielleicht ist die Unterhaus-Bühne für eine ausgefeilte Choreographie von Hermann-Josef Gerritschen, Henrik Leitreiter, Thomas Michaelis, Matthias Ortmann und Winne Voget auch einfach zu klein?

Dabei hat „6-Zylinder“ durchaus seine Qualitäten: „Always take the weather with you“ covern die fünf nun doch schon etwas gealterten Boy-Group-Mitglieder Crowded House, singen mit „Crazy little thing called love“ von Queen eine Hommage auf den King of Rock’n’Roll oder liefern zu „Horse with no name“ von America als Hofreitschule optischen Klamauk. Zuweilen wird auch mal neu getextet und aus „Uptown Girl“ von Billy Joel wird „Abtauen, Girl!“ als frostig-frische Hymne auf die Hausfrau und ihren Eisschrank.

„alle fünfe!“ ist alles in allem ein netter bunter Abend mit westfälischem Einschlag, denn die Truppe aus Münster bewirbt auch kräftig ihre Heimat, wenn sie vom Aarsee und seinen Fährschiff-Matrosen singt oder das Liebesleben des Münsteraners unter die Lupe nimmt. Selbstironie ist ein sympathisches Markenzeichen von „6-Zylinder“, genau wie der Sandstein in der Westfalen-Metropole. Und schon erklingt ein Medley: „I’m walking on Sandstein“ wird Katrina & The Waves umgedichtet, Bob Marley grüßt mit dem „Sandstein-Reggae“ und Stevie Wonder wusste schon damals „You’re the Sandstein of my life“.

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