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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Lust am Spiel(en)

MAINZ (27. September 2010). Schon allein der Name „Ass-Dur“ zeigt, wie sehr Benedikt S. Zeitner und Dominik Wagner zum Spielen aufgelegt sind. In ihrem ersten Programm „1. Satz – Pesto“ tun sie das jedoch nicht nur mit Worten, sondern auch mit Klängen – ein Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin scheint also eine facettenreiche Inspirationsquelle zu sein.

Ihr Unterhaus-Debüt absolvierten die beiden Künstler folglich auch mit „Summa cum laude“, denn ihre Mischung aus klingender Kleinkunst und gut getimter Comedy verdient gute Noten für gute Noten. Interessanterweise sind die Nummern, die man unter dem Etikett Musikkabarett erwartet, dabei nicht die allerstärksten: „Happy birthday“ haben schon viele Kollegen zuvor bei Mozart oder Beethoven aufgespürt.

Gut gemacht ist das Ganze trotzdem und rangiert als Bindeglied zwischen den Duett-Nummern, die durch wunderbare Gegensätzlichkeit glänzen. Auf der einen Seite versucht Zeitner wissenschaftlich anspruchsvolle Referate zu halten, während Wagner den tiefsinnigen Höhenflug mit debilem Blick, flachen Gags und einer urkomischen Mimik torpediert – das Accelerando des einen wird stets durch ein mächtiges Ritardando des anderen ausgebremst. Aus dieser wohl temperierten Spannung erhält die Kunst von „Ass-Dur“ ein lebhaftes Tempo, das durch das Aufeinandertreffen des hehren Geistes mit der Gürtellinientangente angetrieben wird.

Aus dem universitären Alltag hat „Ass-Dur“ eine Vorlesungs-Farce über das „Minnelied“ destilliert und jagt den „Bi-ba-Butzemann“ durch Klassiker und Zeitgenössisches, wobei Dominik Wagner lässig den desinteressierten Seminarschläfer gibt. Das bestens gelaunte Publikum staunt auch über lustige Zaubertricks, wendet willig die Leitmotivtechnik an und der Applaus zeigt, dass die zahlreichen Kabarettpreise, die beide in den vier Jahren seit Gründung eingeheimst haben, eines beweisen: „Ass-Dur“ ist in der Tat ausgezeichnet.

Benedikt S. Zeitner begeistert zudem mit einem schönen Bariton und beide sind natürlich elegante Tastenlöwen, die das Klavier wortwörtlich von allen Saiten her beleuchten: Ein vertontes Rezept für Pfannkuchen im Stil von Richard Claydermann, vierhändiges Parlieren mit gleichzeitigem Kostümwechsel oder Klassik-Persiflagen mit Blockflöten-Einlage – den Respekt haben die beiden im Koffer gelassen und verbiegen das E in der Musik kraftvoll zum U. Und eine Erkenntnis dürfte besonders Klavierschüler interessieren: An falschen Noten ist grundsätzlich die Stellung des Hockers schuld…

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.ass-dur.de.

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