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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Axel Hacke und die Schönheit des Falschen oder: Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück

MAINZ – Auf leisen Sohlen betritt Axel Hacke die Bühne – es ist das flüsternde Zischen der Zündschnur, die gleich ein Feuerwerk des Sprachwitzes, ein Panoptikum abenteuerlicher Pointen abbrennen wird. Kurz: „Der weiße Neger Wumbaba“ ist zurück.

Gleich mit der ersten Story aus „Das Beste aus meinem Leben“ packt Hacke sein Publikum, denn der Wiedererkennungswert um die Christbaumkugel, die „jemand, man oder einer“ mal wegräumen könnte, ist hoch. Partnerschaftspassiv nennt der Autor diese grammatikalische Form: „Sie macht auf ein Problem aufmerksam, führt nicht automatisch zum Streit und lässt Spielräume für Lösungen.“

Wunderbar sind auch die Geschichten um die Kinderpädagogik anhand des Nächtens bügelnden Zweijährigen oder Erziehung von Erwachsenen durch unterforderte andere Eltern, die elterninitiativ eine Kindergruppe ins Leben gerufen haben.

Einer der Höhepunkte ist der Besuch im Weinladen, wo ein vermeintlicher Kenner der Materie seinem Kunden in hochtrabendsten Sommelier-Geschwätz den weinpäpstlichen Segen erteilt und zwischen Tanin, Anklängen von Rohöl, Winzerschweiß und Zitrusfrucht bei Hacke den Eindruck weckt, er solle lieber mit Adjektiven statt mit Rebensaft handeln.

Es sind die Präludien und Intermezzi des Alltags, die Hacke so wunderbar in Sprache gießt und mit sympathischer Stimme herrlich ironisch vorträgt. Bevor der brillante Kolumnist der Süddeutschen Zeitung sich aber dem „Neger Wumbaba“ zuwendet, nimmt er das Publikum erst mal mit auf den „Wortstoffhof“, so der Titel seines im März erscheinenden jüngsten Buches.

Die Leserpost auf einen Text über „Verhörer“ im internationalen Liedgut führte nicht nur zu weiteren Kolumnen, sondern füllt mittlerweile ganze Bücher. Im „Wertstoffhof“ sind das unter anderem katastrophal übersetzte Speisekarten, haarsträubend ins Deutsche übertragene Hotelprospekte oder gar Kochrezepte. Das mag man aus eigener Erfahrung mit fernöstlichen Gebrauchsanweisungen für allerlei Elektrik kennen – in dieser geballten Form hat es aber einen gewaltigen Unterhaltungswert: „Sprache ist doch erst dann toll, wenn einem die Grammatik schnurzegal ist“, beteuert Hacke: Die Kraft des Deutschen liegt für ihn im Falschen.

Es ist also eine Lesung der besonderen Art, denn hier stehen nicht elegant erzählte Geschichten der Hochliteratur zur Diskussion, sondern eben die sprachlichen Irrungen und Wirrungen. Und natürlich nach wie vor das falsche Hören, das manch unglaublichen Nonsens gebiert. Doch: „Falsch ist einfach schöner“, lobt Hacke die absurde Poesie vom weihnachtlichen „Gottessohn Owie“ in „Stille Nacht, heilige Nacht“, der völlig neue theologische Fragestellungen aufwerfe – ähnlich wie die „Jungfrau aus Erkorn“ in „Vom Himmel hoch“.

Die Beispiele der Verhörer sind unendlich – und auch hier kommt erneut der Wiedererkennungswert ins Spiel, denn wer hat zumindest als Kind manchem Popsong nicht ein abenteuerliches Englisch abgehört und munter mitgesungen? Darum ist der Gruß, den Axel Hacke nach gut zwei Stunden äußerst amüsanter Lesung seinem Publikum entbietet, nur allzu verständlich: „Auf Wiederhören.“

Mehr zu Axel Hacke gibt es im Internet unter www.axel-hacke.de.

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