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Jan-Geert Wolff

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With Shakespeare in Love: Bernd Lafrenz stemmt<br /> den „Hamlet“ auch im Alleingang mit Bravour

MAINZ – Was dem Goethe sein Gründgens ist dem Shakespeare sein Lafrenz – zumindest für den Freund der gepflegten Kleinkunst. Denn statt den Theatertempel sucht Bernd Lafrenz die Intimität der Kabarettbühne für seine freigeistigen Adaptionen der Shakespeare-Klassiker. Heute steht übrigens „Hamlet“ auf dem Spielplan.

Rache und Intrige – normalerweise ist der Stoff, aus dem Shakespeares „Hamlet“ ist, ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse: Ein Bruder- und Vatermord, den der Sohn und Thronfolger sühnen soll und der schließlich nach allerhand Ränke und Klingenkreuzen selbst sein Leben verliert. Garniert ist das Ganze natürlich noch mit Freundschaft und Liebe – die Handlung des Bühnenklassikers mit dem berühmten Zitat von Sein oder Nichtsein ist jedem Theaterfreund bekannt.

„Der Rest ist Schweigen“, könnte man nun den Prinzen zitierend schließen, wenn die „Hamlet“-Aufführung im Mainzer Unterhaus nicht etwas ganz Besonderes wäre: Bernd Lafrenz spielt Hamlet. Und den Geist des ermordeten Vaters auch. Darüber hinaus den Mörder Claudius. Und den Freund Laertes. Und natürlich auch die Mutter Gertrude und die geliebte Ophelia. Nicht zu vergessen: Regie führt er natürlich auch.

Man könnte meinen, dass Bernd Lafrenz einen Lieblingscharakter hat. Aber wenn, rückt er damit nicht heraus. Der immobile Prinz, der sein Königreich gegen ein Pferd tauschen möchte, der pfiffige Hofnarr Yorick, die verzweifelte Ophelia, der altersschwache Geist – sämtliche Rollen gibt er mit der gleicher Intensität und Hingabe.

Heute also „Hamlet“ – natürlich ohne Gewähr, dass auch jedes Wort so bei Shakespeare steht! Hier ist das Spiel wichtiger als Kulisse und Requisite; und vielleicht kann Lafrenz genau deswegen mit vielen eingestreuten Pointen und freien Assoziationen seinen Helden ein Leben einhauchen, dessen Vitalität eine große Bühne fast zwangsläufig schuldig bleiben muss.

Zumal auch diesmal die Zuschauer mitwirken und als akustische Statisten für die Geräuschkulisse sorgen dürfen: „Machen Sie jedes Geräusch, das sie auf der Bühne erkennen“, braucht Lafrenz auch gar nicht lange zu ermuntern: Schon murmeln die Ostseewellen, ist es schaurige Nacht mit Eulenruf oder tratscht das Volk über die Königin.

Kurzum: Das Kleinkunstpublikum kommt also einmal mehr in den Genuss von Wandlungsfähigkeit und Überzeugungskraft des Künstlers, der sich nach und nach den ganzen Shakespeare einverleibt, um ihn in gelungenen Ein-Personen-Stücken im Stile der Commedia dell’arte auf die Bühne zu zaubern.

Einverleiben ist hierbei übrigens ein treffendes Wort, denn wo andere Mimen eine Rolle spielen und sich mit eben diesem Charakter zur Gänze identifizieren dürfen, ja müssen, da hat Lafrenz gleich das ganze Personal zu spielen: Hier kämpft er nicht gegen einen anderen, sondern muss quasi mit sich selbst ringen. Aber dies bedeutet, dem Stück sicherlich um einiges näher zu kommen als ein normaler Protagonist. Und Shakespeare natürlich auch, entsprangen die vielen Helden und Antihelden, die Lafrenz in (s)einer Person einfängt, weiland doch ebenfalls nur einem kreativen Geist…

Mehr Informationen zu Bernd Lafrenz gibt es unter www.lafrenz.de.

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