Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Kleinkunst

Legende trifft Urgestein: Kabarettistischer Urknall mit Jochen Busse und Henning Venske

MAINZ – Nach seinem Ausflug in die oberflächlichen Tiefen der humoristischen Fließbandarbeit im privaten Fernsehen ist er nun – endlich! – auf die Kleinkunstbühne zurückgekehrt: Jochen Busse, die Legende, die von 1985 bis 1990 in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zu Höchstformen auflief. Und er ist nicht allein, denn sein Sparringspartner ist der frühere Lach- und Schieß-Kollege Henning Venske, ein Urgestein. Das Programm, das die beiden derzeit im Unterhaus spielen, heißt denn auch schlicht „Legende trifft Urgestein“.

Sternstunde des Kabaretts also? Aber hallo! Sogar eine Art Urknall, denn mit einer Mischung aus perfekt platzierter Pointe und krönenden Kalauern ziehen die beiden grauen Eminenzen im aktiven Unruhestand eine intelligente, bösartige, unterhaltsame und witzige Show ab – kurz: Kabarett, wie man es sich wünscht.

„Herr Busse“, mit Schlips, Kragen und herrlich geschraubter Semantik auf der einen, „Herr Venske“ im edlen Zwirn, doch krawattenlos und schnoddrig-leger auf der anderen Seite sind natürlich „per Sie“. Musikalisch bereichert der brillante Akkordeonspieler Frank „Ivan“ Grischek, angeblich ein Pole, dem beim Spargelstechen das Instrument im Weg war, den Abend. Schöne Hände hat er, der „Herr Grischek“: „So etwas geht aber nur, wenn man noch nie in seinem Leben gearbeitet hat“, sagen „Herr Busse“ und „Herr Venske“.

Mit rasanten Steilpässen spielen sich die elder statesmen der Kleinkunst die Bälle zu: Demokratie ist für sie die Möglichkeit, den Kasperl abzuwählen um hernach den Hanswurst ins Amt zu heben: Venske möchte Rotwein und bekommt vier alkoholfreie Biere zur Wahl und Busse, der gut begründet die Unvernunft einfordert, setzt der Kommunikation per SMS, Fax und Mail eine schlichte Ansichtskarte entgegen.

Dass Kabarett durchaus etwas bewirken kann, beweisen sich die beiden Haudegen mit einer eitlen Rückschau: Ihre Witze haben Kanzler abgewählt („Dr. Helmut Kohl – alle Kassen, aber keine Sprechstunde.“) und am Ende sogar die DDR marode parodiert. Natürlich ist auch ein Kabarettist nicht frei von Fehlern: „Mit der Wiedervereinigung bin ich dann aber übers Ziel hinaus geschossen“, gibt Busse peinlich berührt zu.

Klatschend watschen die beiden politische Prominenz ab, mal mit seichtem Witz, mal mit bissiger Schärfe: „Stoiber hat Ursache und Wirkung so lange vertauscht, bis das Kreuz Haken kriegt“, sagt Venske und reagiert auf manch’ entsetztes Stöhnen im Publikum trocken: „Wenn Sie jetzt schon so reagieren, kann das ja noch heiter werden.“ Und das wird es auch: Die Religionskritik ist scharf, aber auch für den Gläubigen hörenswert, denn: „Oft ist das Kopftuch im Kopf und nicht darauf das Problem.“ Manchmal tut Respektlosigkeit eben richtig gut.

zurück