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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Mafiosi ohne Geigenkasten

MAINZ – Mit sizilianischen Clans soll man sich ja grundsätzlich nicht anlegen – vor allem nicht, wenn ihre Mitglieder so nervöse Zeigefinger haben wie die Cello-Mafia. Denn so wie richtige Killer mit der Schusswaffe umgehen, behandeln die Kollegen ihre klassischen Instrumente: erbarmungslos, treffsicher und absolut effektiv.

Das Cello eignet sich für Experimente: Die „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“ haben schon mehr als einmal bewiesen, dass sich gerade mit diesem Instrument zumal im Ensemble selbst Popsongs und Jazzballaden herrlich klangintensiv interpretieren lassen.

Wenn dann noch Elemente der Comedy beigemischt werden, bekommt das ganze natürlich einen besonderen Goût – wie das schmackhafte Pastagericht, dessen Zutaten „Nicole“ blondperückt nach der mit sattem Klang intonierten Eurovisionshymne zum „Grand Prix“ besingt: „Ein bisschen Zwiebel, ein bisschen Butter…“

Seit 18 Jahren ist die Cello-Mafia nun schon unterwegs und kennt keine Gnade: „Macky Messer“ wird als Schallplatte gespielt, die sich mal zu schnell dreht und dann immer langsamer werdend ausläuft; da erklingen die James Bond-Themen zu „Goldfinger“ oder „Golden Eye“, ein Tango, „Hey Jude“ der Beatles oder der Bacardi-Song samt „Baby Boogie“ und „Maccarena“, wobei das Publikum natürlich mafiös davon überzeugt wirde, mitzutanzen. Kurz: Was nicht passt, wird einfach passend gemacht.

Natürlich hat man auch Klassisches im Repertoire: Wagners „Pilgerchor“ spielt ein debil grinsender Streicherapparat des „Festspielorchesters Salzreuth“ und verfällt alsbald in „The Typewriter“ von Leroy Anderson. Ein Mafiosi stirbt und die Kollegen lassen Bachs „Air“ hören – mal wird das Cello zum Schlagbass, mal als Gitarre leger aufs locker überschlagene Bein gelegt.

Doch bei allem Ulk, den Fratello Emilio, Sorella Giulia, Michele, Bruno und Enzo – die richtigen Namen tun nichts zur Sache – da mit ihren Celli anstellen, überzeugt doch die Perfektion von der Schnecke bis zum Dorn: Rosshaarscharf, mit viel Fingerspitzengefühl und starker Hand werden hier Saiten und Griffbrett traktiert.

Ein „Da capo“ gibt es auf den begeisterten Applaus im Mainzer Unterhaus zwar nicht, wohl aber eine pikante Zugabe: ein zart hingetupftes „Je t’aime“ mit gleichzeitigem Strip der männlichen Mafiosi…

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