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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Comedy mit jähem Verfallsdatum

MAINZ (10. September 2013). Auch Kabarett-Plakate können richtig Angst machen: Wenn einen Cindy aus Marzahn vom Papier aus anblafft oder Kay Ray mit stechendem Blick fixiert, dann fragt man sich zuweilen, was wohl hinter dem Grellen, Lauten stecken mag. Beim Duo „Creme double“ ist es nicht anders, wenn es zur „Tupperparty“ einlädt. Und wie es so ist, rückt das Behältnis schnell in den Schatten des lästerlichen Schnatterns der Prosecco trinkenden Damenwelt.

Klischees werden von „Creme double“ also kräftig bedient. Und das ist auch gut so, denn durch das pointierte Nachfahren der Schablone entsteht ein unterhaltsames Zerrbild der kunststofflich-bunten Schüssel-Welt. Und politisch ist dieses Kabarett insofern, als dass man mit der Party-Ware offenbar alle Probleme der Welt lösen kann. So versprechen es zumindest die beiden Damen des Abends, Marie-Luise Höllenbrand (Katrin Orth) und Hildegard Hämmerle (Tine Schoch). Ob wohl auch in den Küchen von Merkels und Steinbrücks jene Wunderwaffen stehen?

Der Abend im Mainzer Unterhaus beginnt rasant und zwischen der Produktanpreisung, die eine gekonnte Karikatur der seelenlos soufflierten Verkaufspantomime im nächtlichen Privatfernsehen ist, streut „Creme double“ kleine Sottisen und Sketche ein: Da ist die Singlefrau, die ihr einsames Frühstück nur durch die Plastikdosen bunt gestaltet („Die schönen Stunden zu zweit dauern alleine oft ein Leben lang…“); da wird die Wurzelbürste nach dem Karottenschrubben zur erotischen Stimulans, was der Pianist „Earl. S. Tupper aus Texas“ (Ralf Siebenand) breitbeinig und lasziv Kaugummi kauend goutiert. Zwischen Partnersuche und Zickenkrieg, bei dem die Produktpalette der Plastikware als Schimpfname herhalten darf und einer sportlichen Einlage kocht Küchenpsychologin Hildegard ein esoterisches Süppchen und in der autogenen Trainingsstunde wird Marie-Luise zum Tier.

Die Show ist bunt wie die Dosen aus Plastik, die teils brusthoch als Bühnendeko dienen. Und spätestens als Orth und Schoch mit den Objekten der Begierden unter ihren Kostümen Problemzonen wachsen lassen, ist man geneigt, den Witz der beiden anerkennend mit anderen, leider längst nicht mehr existenten Frauen-Duos zu vergleichen. Doch dann vertreibt allzu peinliches Gekasper den Gedanken und rasch raubt einem die laute Übertreibung den Nerv. Hatten Regie und Texter urplötzlich keine Lust mehr? Dieser Eindruck hält sich zumindest bis zum Finale, woran auch die eigentlich tolle Steppnummer in Tupperschuhen leider nichts mehr ändern kann.

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