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Jan-Geert Wolff

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Der Deutsche Kleinkunstpreis 2014 geht an…

MAINZ (5. November 2013). Wie die Jury, die alljährlich im Unterhaus die Träger des Deutschen Kleinkunstpreises ermittelt, zu ihren Ergebnissen kommt, geschieht bewusst nicht öffentlich. Nur so viel sei verraten: Die aktuell 20 Mitglieder des ehrenamtlich arbeitenden Gremiums, die hälftig aus dem Bereich von Funk und Fernsehen kommen, machen sich ihre Aufgabe nicht leicht und diskutieren die nominierten Kandidaten engagiert. Und sie kommen immer wieder zu einem Urteil, das die Lebendigkeit des Genres dokumentiert.

So auch in diesem Jahr: Preisträger der wichtigsten und mit je 5.000 Euro dotierten Auszeichnung auf deutschen Kabarett- und Kleinkunstbühnen sind HG. (Hans-Günter) Butzko (Kabarett), das Duo Knuth & Tucek (Chanson/Lied/Musik) sowie das Duo „Ohne Rolf“ (Kleinkunst). Der Förderpreis der Stadt Mainz geht an Klaus Eckel, der Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz an Franz Hohler.

Damit ist der Deutsche Kleinkunstpreis mit Ausnahme von HG. Butzko in diesem Jahr fest in österreichisch-schweizerscher Hand, womit die Jury allerdings satzungskonform handelt, kommen für die Auszeichnung doch „alle Künstler aus dem deutschsprachigen Raum infrage sowie solche, die vorwiegend in diesem Sprachraum arbeiten“.

An anderer Stelle fordern die Statuten für die Nominierung „Qualität, Ehrlichkeit und Originalität der Kandidaten“. Dies trifft zweifelsohne auf die getroffene Wahl zu, wie die einzelnen Begründungen zeigen. Mit HG. Butzko zeichnet die Jury „einen politischen Kabarettisten aus, der mit anspruchsvoller Komik und analytischer Schärfe selbst höchst komplexe Zusammenhänge darstellt. Er ist ein Meister des investigativen Kabaretts, wie er besonders in seiner satirischen Interpretation der Finanzkrise unter Beweis stellt.“

Das aus der Schweiz stammende Duo „Knuth & Tucek findet in den Augen der Jury „für das kabarettistische Lied neue Worte und Töne. Mit engelsgleichen Stimmen, auf hohem musikalischen Niveau hauen Nicole Knuth und Olga Tucek ein – auf unsere trägen Ansichten und engherzigen Meinungen. Das Schweizer Duo ist bitterböse, aber gerecht, virtuos, aber auf dem Boden. Einfach zwei gute Kleinkunst-Prachtweiber.“

In Mainz schon lange nicht mehr unbekannt ist das Schweizer Duo „Ohne Rolf“, das laut Jury „mit seinem Plakatumblätterkabarett eine verblüffende Spielform entwickelt hat. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg begeistern mit einer eigenständigen Mischung aus absurdem Theater und philosophischem Kabarett. Noch nie war Lesen so wunderbar, aufregend und herrlich unterhaltsam.“

Aus dem Nachbarland Österreich kommt Förderpreisträger Klaus Eckel, dem die Juroren bescheinigen, er erfinde sich permanent neu und spinne „mit seiner bildhaft skurrilen Betrachtungsweise, originellem Witz und hoher Pointendichte banale Dinge und Geschehnisse zu genialen gedanklichen Konstrukten“ fort: „Kein Wort ist bei ihm überflüssig, kein Satz entbehrlich.“

Den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz schließlich erhält Franz Hohler. Damit zeichnet die Jury einen „großartigen Schweizer Geschichtenerzähler“ aus: „Mit Cello oder Merkheft entführt er das Publikum in eine scheinbar heile Märchenwelt, um es dann mit gezielten Attacken wieder in die raue Wirklichkeit zurückzuholen – ein phantasievoller Moralist, der mit feinem Humor seine Mitmenschen sanft an die Hand nimmt.

Die Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2014 findet am 9. März 2014 im Mainzer Unterhaus statt und wird wieder von Volker Pispers moderiert. Die Veranstaltung wird von 3sat aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt übertragen.

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