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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Niemals geht man so ganz

MAINZ (27. September 2013). Als die A cappella-Gruppe „Ganz schön feist“ im Mai 2012 letztmalig im Unterhaus auftrat, hatten nicht nur sie „ein weinendes und ein tränendes Auge“: Nach der letzten Zugabe erhob sich das Publikum sogar von den Stühlen, was im Unterhaus nun wirklich äußerst selten passiert. Aber wie sang schon 2007 Trude Herr mit Wolfgang Niedecken und Tommy Engels: „Niemals geht man so ganz“…

Also sind sie wieder da – allerdings nicht als musikalische Menage à trois, sondern seit September zu zweit: Rainer Schacht und Mathias „C.“ Zeh konzertieren als „Die Feisten“ jetzt ohne Christoph Jess, was in Erinnerung an frühere Konzert natürlich schade ist. Gemessen an der Qualität, die „Die Feisten“ aber auch als Duo an den Tag legen, ist diese Personalie durchaus zu verkraften. Und nicht unwichtig ist, dass man sich im Guten getrennt hat: Jess arbeitet als Vocal- und Chor-Coach sowie Event-Manager und begrüßte in diesem Jahr auch „Die Feisten“ zu dem von ihm organisierten „Pop meets Classic“-Festival in Göttingen.

Nach „Tschüss“ also „Hallo“: Das Programm heißt „Versuchslabor“ und findet wie die Vorgänger mühelos den Weg durch die Gehörgänge. Einige „Ganz schön feist“-Songs sind natürlich auch dabei, doch die neuen stehen ihnen in nichts nach. Statt Dreiklang vibriert nun das meist gitarrenbegleitete Intervall durch den Saal, doch die rauchig-zarte Stimme von Zeh gibt den Songs den gewohnt anschmiegsamen Touch. Und auch Schacht tritt zuweilen als Leadsänger gekonnt ins erste Glied.

Was das Niveau betrifft machen „Die Feisten“ einfach da weiter, wo „Ganz schön feist“ aufgehört hat: Da besingt ein revolutionärer Papst seine Visionen („Der Neue scheint das Lied schon zu kennen – vielleicht wird er ja ein Fan?“), auf die bekannte hellenisch-weinselige Udo Jürgens-Melodie ertönt live aus dem Büroalltag „Kriech‘ nicht da rein“ und das Hochzeitsreiseziel Venedig offenbart die gleiche Statik wie manche Ehe. Privatfernsehen, James Brown, Schnarchen und das Anbandeln via Hundeleine – auch „Die Feisten“ machen alles zum Thema: mit coolem Groove und vokaler Brillanz, die mit markanten Stimmen und ganz eigenem Esprit felsenfest verankert ist.

Fazit: „Versuchslabor“ ist von der Güte, wie man sie von den Künstlern Schacht und Zeh kennt. Geistreich und klanglich wie rhythmisch auf den Punkt zieht das neue vokale Dreamteam eine gewohnt gelungene Show ab. Weiterer Personalabbau sollte bis auf weiteres bitte kein Thema sein.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.diefeisten.de.

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