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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Duo mit besten Noten

MAINZ (7. April 2017). So korpulent, dass ihr Name zuträfe, sind „die feisten“ gar nicht. Dafür haben es Rainer Schacht und Mathias „C.“ Zeh so faustdick hinter den Ohren, dass ihnen ihre geniale Melange aus Musik und Text aktuell den Deutschen Kleinkunstpreis einbrachte: Wie das Publikum des Abends war man auch hier begeistert von den „mit Parodie, heiterem Spott und paradoxem Weltverständnis gesungenen Liedern“, so die Begründung der Juroren.

Was sich genau dahinter verbirgt, bewiesen „die feisten“ jetzt mit ihrem aktuellen Programm „Nussschüsselblues“, das im ausverkauften Unterhaus seine Mainz-Premiere hatte. Einen kleinen, pikanten Vorgeschmack gab es ja bereits zur Preisverleihung im März, jetzt durfte man die Mixtur aus Klassikern wie „Gänseblümchen“ oder „Der Junge mit der Mundharmonika“ und neuen Liedern in vollen Zügen genießen.

Egal, worüber „C.“ und Schacht singen – es wird zum Ereignis. Ursprünglich in Göttingen beheimatet, hat es den einen nun nach Kassel, den anderen nach Mannheim verschlagen. Geblieben ist ihnen ihr lupenreines Hochdeutsch, mit dem sie ihre genial getexteten Alltagsbeobachtungen und Kommentare in Verse fassen und dann mit Gitarre oder Vokalbegleitung anstimmen. Syntax, Reimschema und Betonung sind hier äußerst fein gesetzt, die Musikalität begeistert aufgrund handgemachter Bodenständigkeit.

Dabei ist es vor allem Mathias Zeh, dessen Stimme sich einem so sanft in den Gehörgang schmiegt: Statt Belcanto und Brillanz begeistert hier ein ganz eigenwilliges Timbre, als wären die Stimmbilder mal kurz mit Schmirgelpapier feinster Körnung angeraut worden. Dennoch: Die Intonation ist punktgenau und paart sich mit Schachts Bariton, dessen Bass-Imitation vom Originalinstrument kaum zu unterscheiden ist, passgenau.

Man könnte den beiden stundenlang zuhören und bedauert höchstens, dass die teils herrlich selbstironischen Lieder irgendwann zu Ende sind. Egal, ob sie über die Bakterienkolonie Nussschüssel, den Widerspruch innerer Werte und äußerer Erscheinung, Schein und Sein, die Argumente pro Vegetarismus singen oder einen Abgesang am Grab intonieren – jede Nummer dieses famosen Duos sitzt perfekt und dokumentiert unglaublich klugen Witz. Da capo!

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