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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Tiefsinniger Nonsens

MAINZ (9. April 2014). Die Franken sind nicht nur ein gegenüber ihrem Freistaat Bayern ein sympathisch renitentes Völkchen, sie bringen mitunter auch die besten Kabarettisten hervor: Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Matthias Egersdörfer oder eben „el mago masin“, wie sich der Liedermacher Wolfgang Masin nennt. Mit seinem aktuellen Programm „Endstation Zierfischzucht“ gastierte er jetzt im Unterhaus und zeigte, wie tiefsinnig Nonsens sein kann.

Auf der Bühne steht ein kleines Kinder-Zelt, in dem bestenfalls ein Flohzirkus spielen könnte. Oder aber „el mago masin“, der sein Publikum offenbar aus dem rot-gelben Rund heraus klampfend begrüßt. Zwar sieht man den Künstler auf der Videoleinwand, aber sitzt er tatsächlich in diesem Mini-Zelt? Natürlich nicht: Er spielt mit seinem Publikum und dessen Erwartungen gekonnt Pingpong und punktet dabei kräftig.

Hier agiert kein reiner Bespaßer, der witzige Lieder singt und sein Auditorium auf Teufel komm raus zum Lachen bringen will. „el mago masin“, der mit Gitarre und beachtlich langem Rasta-Schopf ganz wunderbar dem Klischee des vagabundierenden Straßenmusikers entspricht, ist kein Humor-Dienstleister, sondern amüsiert sich gemeinsam mit seinen Publikum, mit dem er rasch und locker auf Tuchfühlung geht.

Da sind Charlotte und Jörg, die spielerisch die großen Talente des Kleinkünstlers offenbaren: Allein am Klang des intonierten Wortes „Umschulung“ kann er den Wohnort des Sprechers erkennen. Zwar klappt das nicht immer, aber immerhin bei Charlotte, die ihm ihr Zuhause vorher verraten hat. Eine Reihe hinter ihr sitzt eine stimmgewaltige Sängerin, die dem Barden später als Background-Chor dient. Nicht zu vergessen Katharina, mit der „el mago masin“ wohl mal eine kurze Liaison hatte? „Ist das Deine Freundin?“, fragt er den Begleiter und antwortet selbst: „Sagen wir: unsere.“

Masin wirkt erfrischend planlos, was dem Abend eine wohltuend flexible Struktur verleiht. Mit ansprechendem Timbre und fixem Wortwitz singt er von Kirschkernkissen, diagnostiziert „Hepatitis A, B, C, D…“, wobei er das Alphabet sogar rückwärts intoniert, und bekennt, dass er eigentlich Pianist ist, also „das Instrument der oberen Mittelklasse“ spielt. In einer Liebesballade wundert er sich, dass die nächtens im Sportfernsehen Golf spielenden nackten Damen trotz täglichen Übens so erbärmlich einlochen und auch aromatisches Duschgel kann für „el mago masin“ schnell zum Thema werden, wenn er es denn aus seinem als „Homeoffice“ genutzten Bett schafft.

Einen roten Faden hat der Sänger für seine Reise zur „Endstation Zierfischzucht“ bewusst daheim gelassen, denn ohne gibt es viel mehr zu erleben: Kurz und knackig sind die vorgetragenen Lieder, die in den Köpfen der Zuhörer farbenfrohe Bilder malen. Das Ganze kommt so unglaublich locker daher, dass man fast glauben möchte, der Abend sei tatsächlich vollkommen improvisiert. Dass sich „el mago masin“ dabei auch noch als einfühlsamer Saitenkünstler erweist, setzt dieser absurden Anarchie eine strahlende Krone auf.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.el-mago-masin.de.

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