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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ex-Top-Sigrid Eva Eiselt auch im Alleingang top

MAINZ – Ein bisschen skeptisch war man ja schon: Da steht mit „Top Sigrid“ ein Duo auf der Bühne, dass locker als Nachfolger der legendären „Missfits“ gelten darf und nach nur kurzer, aber erfolgreicher Karriere trennen sich Eva Eiselt und Christine Prayon. Während letztere erneut im Duo – diesmal mit Dalila Abdallah – auftreten wird, versucht es Eva Eiselt jetzt alleine.

„Mit Apfel-Allergie im Paradies“ heißt das Programm und schon vom Plakat durchbohren einen die Blicke der Künstlerin auf lüstern-verschwörerische Art und Weise. Eva Eiselt kann das auch live: Zu schwülem Jazz räkelt sie sich auf der Bühne derart lasziv, dass einem ganz anders wird. Und dann zieht sich die propere Künstlerin Stützstrümpfe über die stämmigen Beine. Will heißen: Grenzen sind für die Frau ein Fremdwort. Zum Glück.

Den Anfang macht die türkische Putzfrau, die sich Rumpelstilzchens Stroh und Rapunzels Harre wegfegend durch die Grimm‘sche Märchenwelt feudelt und ihre Chefin ankündigt. Doch Eva Eiselt ist sich selbst nicht genug und spaltet ihre Persönlichkeit im Halbdunkel der Bühne mit wenigen Requisiten kunstvoll auf.

Bettina ist die Ernährungsberaterin von „Trio-Chips“, die den Gleichgewichtssinn schärft: Statt schlank und rank ist Verfettung angesagt, denn als Kugelkörper kann einen nichts aus den Socken hauen. Der gleichen unschlagbaren Logik folgt auch Bayer Sepp, der sich für den Klimawandel erwärmt: „Wenn es sich verändern will, lasst es doch“, meint er und erfindet den CO2-Puster, um aus touristischen Gründen alsbald den Strand vor der alpinen Haustür zu haben. Prompt ist das Patent erteilt und das Geschäft mit dem Asiaten brummt.

Mit pfiffigem Typenkabarett pflügt Eiselt wie ein Trüffelschwein durch die Aktualität und findet mit sicherer Spürnase die Themen, die sich gut aufs Korn nehmen lassen. Herrlicher Klamauk paart sich mit bissiger Satire, als die wienernde Diva von ihren Charity-Aktivitäten gegen Kinderarbeit erzählt: „Wenn ich komme, kriegen die einen Tag frei und sehen auch mal was Schönes.“ Die Ignoranz dieser Schicki-Micki-Schickse von der Schönheitsfarm tut weh wie der beherzte Biss mit Plombe auf Alufolie.

„Da muss man erst mal drauf kommen“, reibt sich der Zuschauer die vom Lachen tränenden Augen, als Eiselt mit einem Küchensieb auf dem Kopf ein Mikrofon mimt, in das der „Chef“ seine Sinnleere in die Welt trompetet – und schon folgt eine gelungene Parodie auf den Comedian Mario Barth und seine simplen Scherze.

Als roter Faden taucht immer wieder Astrid auf, die aus- und vor allem abschweifend eine bunte Patchwork-Gesichte erzählt: Als werdende Mutter werden Wehenhemmer eingeworfen, um die Geburt noch elterngeldtauglich herauszuzögern, als beste Freundin von Sylvia unterhält sich Astrid mit deren brunzhummeldummen Sohn Sven über die Schule und stößt dabei in eigene Wissenslücken oder verwickelt Fahrscheinkontrolleure erfolgreich in Grundsatzdiskussionen. Dem Spott wird aber stets ein doppelter und vor allem selbstironischer Boden eingezogen – ach: Man möchte ewig zuhören.

Und ist baff: Eva Eiselt hat sich mit Top-Sigrid offenbar erfolgreich warmgelaufen und hängt mit ihrem ersten Solo so manchen Kabarett-Kollegen mit jahrelanger Bühnenerfahrung ab.

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