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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Nonsens trifft auf Stimmkultur

MAINZ (5. März 2012). Was war es nun: Konzert oder Comedy? Die A cappella-Gruppe „Viva Voce“ und das Duo Volker Heißmann und Martin Rassau eint, dass sie Stimmungsgaranten sind. Und dass sie aus Mittelfranken kommen: Die einen starten zu ihren Konzerten von Ansbach aus, die anderen residieren in der „Comödie Fürth“ und bereisen von dort aus die Republik. Nun haben sie sich zusammengetan um das Land mit „Frankenpower“ zu versorgen.

Immerhin füllen sie damit die Mainzer Phönixhalle: Auf der Bühne mimt ein Scheinwerferrund die Manege und Rassau markiert den Zirkus mit einer Dompteurs-Livree. Die Eröffnung gelingt launig, schließlich müsse man jetzt Fasching nachfeiern, denn der sei in der fränkischen Heimat eher mau: „Dafür ist dann Karfreitag ein Halligalli-Drecksacks-Fest“, erklärt Heißman.

Weiter geht es mit dem Ablästern über die Kollegen aus dem „Musikantenstadl“, in dem das Duo aus Fürth steter Gast ist. Natürlich treten auch wieder „Waltraud“ und „Mariechen“ auf, um eindeutig zweideutig aneinander vorbeizureden: Die eine spricht vom Abort, die andere vom Carport, in dem der Nachbar schon mal zur Hand gehe – Sketche auf „Palim-palim“-Niveau eben.

Das Lied „Die schönsten Frauen von Fürth“ ist für Mainz etwas zu lokalkoloriert, doch bekommt es eine süffisante Note, als sich „Viva Voce“ ebenfalls in Frauenkleidern dazu gesellt und der bärtige Basti keck an Freddy Mercury im Video zu „I want to break free“ erinnert.

Überhaupt „Viva Voce“: Es lebe die Stimme und hier besonders die Stimmkultur. Denn die fünf Jungs bewiesen erst unlängst im Frankfurter Hof mit ihrem Soloprogramm „Commando a cappella“, dass sie mittlerweile an vorderster Frontlinie musizieren. Und das Trällern von den „Schwiegermüttersöhnen“, der „Frühradaufrau“, dem „Kartoffelheld“ oder dem geschassten Franken Karl-Theodor begeistert die Gäste auch hier. Kurz: Es lohnt sich einfach, diese fünf Freunde kennenzulernen.

Was auch der Sinn der gemeinsamen Tournee mit Heißmann und Rassau zu sein scheint: Die beiden können landauf landab Hallen füllen, sind der Nation durch Liveauftritte und Fernsehpräsenz sattsam bekannt. Insofern ist es aller Ehren wert, wenn die „Senioren“ ihre jungen Landsleute an die Hand und mit in größere Hallen nehmen.

Aber dennoch wirkt das Konzept halbgar, ist nicht Fisch und nicht Fleisch, denn keiner kommt so richtig zum Zug: Die Auftritte von „Viva Voce“ wirken im Ulk der beiden Vollblutkomödianten irgendwie fremd; und täuscht der Eindruck, oder spiegelt sich diese künstliche Montage auch in der Grundmotivation der Sänger wieder?

Nein: Allein, also zu fünft sind die Jungs von „Viva Voce“ weitaus authentischer und der „Frankenpower“ geht doch bald die Puste aus. Vielleicht hätten sie einfach noch einen Tag warten sollen, um an gleicher Stelle mit ihren Kölner Freunden von den „Wise Guys“ aufzutreten: Mit dieser „Rheinenergie“ hätte es sicher mehr gefunkt…

Die Konzerttermine von „Viva Voce“ finden sich hier: http://www.viva-voce.de

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