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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Blackout trifft Geistesblitz

MAINZ (10. Mai 2017). Das hat er offensichtlich auch noch nicht erlebt: ein vollkommenes Blackout! Gegen Ende der zweiten Hälfte hebt es Gerd Knebel mitten in der Nummer aus der Kurve. Ungläubiges Staunen – und zwar nicht seitens des bislang bestens amüsierten Publikums, sondern beim Künstler selbst. Eine kleine Pause um sich zu sammeln, doch es hilft nichts: Nach zwei eilig hingeschrammelten Liedern ist der Abend gelaufen. Das Publikum nimmt’s indes mit Humor und der einzige, der sich so richtig ärgert, ist wohl nur Knebel selbst.

Angesichts der Textmenge und Schnelligkeit, mit der der Comedian arbeitet, muss man sich ohnehin wundern, wie er sich „im Sattel“ halten kann. Denn die wie mit einem Maschinengewehr ins Publikum geballerten Pointen sind das Markenzeichen des Vollblut-Hessen. Nicht immer zieht die Qualität der Gags mit ihrer Quantität gleich, doch scheint das Publikum auch eher auf Unterhaltung statt auf tiefgründige Analyse des Zeitgeisteszustands zu setzen.

„Weggugge“ heißt das aktuelle Programm Knebels – ein vielversprechender Titel, dem der Künstler zu Beginn auch gut nachkommt. Schließlich gibt es genug, was man tatsächlich nicht sehen möchte und noch mehr, wovor man die Augen nicht verschließen sollte. Knebel unterscheidet zwischen dem vorhersehenden Wegschauen, dem nachdenklichen („War was?“) und vor allem dem unmittelbaren: „Wenn in der U-Bahn neben Dir eine Frau vergewaltigt wird, ist der Zeitungsartikel oft spannender.“ Und letztendlich erfahre man früh genug von der Notlage: „Zwei Tage später – aus der Zeitung.“

Leider spinnt Knebel diesen roten Faden nicht allzu stabil fort, sondern schweift schnell ab. Der guten Stimmung tut dies allerdings keinen Abbruch, denn das Publikum will offenbar lieber die Hälfte von „Badesalz“ hören – und wird gut bedient: So wie Knebel sich im Dialekt rasend schnell unterhält und nur mit der Stimmlage zwischen den Personen hin- und herspringt, das macht ihm so schnell keiner nach. Der Humor ist derb, zuweilen recht obszön, aber eben auch lustig.

Immer wieder leuchten aus den Niederungen kluge Geistesblitze hervor: Anknüpfend an die vegane Beschwerdeführerin, die in Limburg das Glockenspiel vom Gänse stehlenden Fuchs monierte, stört Knebel im benachbarten Kindergarten das Lied „Alle meine Entchen“: „Köpfchen in das Wasser? Das erinnert mich an Waterboarding. Und Schwänzchen in die Höh‘? Billigste Pornografie.“ Dennoch warnt auch Knebel: „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Manchmal braucht man zwei.“

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