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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Leergut klingt sehr gut

MAINZ (30. Mai 2012). Tatsächlich, es ist Beethovens fünfte Sinfonie, die da im Unterhaus erklingt – aber nicht angejazzt oder als Parodie, Background für einen knackigen Song oder Bühnenmusik für ein kleinkünstlerisches Spektakel. Es klingt eher wie eine Drehorgel, so angetupft kommen die Töne und Akkorde. Interpretiert wird der Klassiker hingegen von einer ganz besonderen Formation, dem GlasBlasSing Quintett aus Berlin. Zu Gast im Unterhaus stellen sie klar: „Einweg ist kein Weg.“ Und wer tief in die Flasche guckt, entdeckt Musik darin.

90 Minuten pralle Unterhaltung auf musikalisch höchstem Niveau ist diese Kampfansage: „Keine Macht den Dosen“ heißt das Programm der fünf Musiker, die ohne entsprechende Ausbildung, dafür aber mit hörbarem Spaß an der Sache ihrem Publikum den Marsch blasen – zuweilen auch wörtlich: Mozarts „Rondo alla turca“ wird ebenfalls mit forschem Ton gehaucht, aber auch mit dem Daumen geploppt und auf dem Magenbitter-Xylophon geklöppelt. Auch dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Brahms steht das gläserne Gewand bestens.

Damit hat sich‘s denn aber auch mit der „ernsten“ Musik: Das GlasBlasSing Quintett macht seinem Namen alle Ehre: Fünf Künstler und unzählige Phiolen, die einst kühlen Gerstensaft vorhielten, erzeugen Klänge, die auch einer kritischen Hörprobe stand halten können, denn das, was das Ensemble hier vollbringt, ist nicht nur spritzig und witzig, sondern erzeugt mit Stimme und Bouteille saubere Klangfarben, die sowohl Coverversionen von „Good vibrations“ der Beach Boys oder Emiliana Torrinis „Jungle drum“ adeln. Loop-unterstützt gerät dem Quintett eine fetzige Hommage an die „Fantastischen Vier“ und auch ein Crossover ihres Kollegen Bodo Wartke bringt den Saal zum Kochen.

Keine Frage: Leergut klingt sehr gut und selbst „PET klingt fett“, wenn die voluminösen Wasserspender-Pullen zur Bassdrum oder Djembe werden und das ganze Arsenal der Buddeln mit Zischflaschen-HiHat und Kronkorken-Kastagnetten plötzlich zur Percussionanlage wird, zu deren Beats Andreas und Jan Lubert, David Möhring, Jens Peter Tangermann und Frank Wegner ihre eigenen Songs vom kleinen Kater auf seinem Katzenrad oder dem deprimierten frühen Vogel, der den frühen Wurm nicht antrifft, intonieren.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.glasblassing.com.

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