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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Publikum kugelt sich vor Lachen

MAINZ (3. Mai 2014). Am Tag, an dem der Aachener Komödiant Jürgen B. Hausmann sein erstes Gastspiel in Mainz gab, war in der örtlichen Presse vom „Weltlachtag“ zu lesen, den die Mitglieder der „Internationalen Lachbewegung“ jährlich am ersten Sonntag im Mai feiern. Insofern wurde kräftig hineingekichert in diesen humorvollen Feiertag. Und Hausmann war hierfür ein denkbar guter Conférencier.

So wenig wie er Hausmann ist, heißt er auch so: Der Künstlername dient dem mit bürgerlichem Namen Jürgen Beckers heißenden Rheinländer, um Verwechslungen mit dem Kölner Kollegen Jürgen Becker zu vermeiden. Zum Brüllen komisch sind beide: Becker als politischer Kabarettist, Beckers als karnevalistische Frohnatur, die die gute Laune mit der großen Schöpfkelle verteilt.

Im Frankfurter Hof hieß es nun also „Isch glaub‘ et Disch!“, so der Name des Programms von Beckers alias Hausmann. Dass sich hier nicht gleich die Nackenhaare des Germanisten sträuben, liegt an der rheinischen Korrektheit dieser Semantik: Dort wird nur dort auf den Dativ verzichtet, wo er unbedingt vonnöten ist. Außerdem steht einem mit Jürgen B. Hausmann ein Pädagoge zur Seite: Im „wirklichen Leben“ ist der Künstler Lehrer für Geschichte, Griechisch und Latein.

Und irgendwie wirkt er wie eine Karikatur des spießigen Lehrkörpers, wenn er da so mit Anzug und Schlips, Brille und leicht ergrautem Scheitel steht. Tief greift er in die kleinbürgerliche Themenkiste, berichtet von Gesprächen am kissenbewehrten Fenster, Nachbarschaftshilfe, dem Ritual der samstäglichen Autowäsche. Da ist Omas Flora, die Hausmann sinnieren lässt: „Blumen nennt man dankbar, wenn sie wenig zu trinken brauchen – bei Männern ist das anders.“

Kein Klischee ist zu verbraucht, kein Kalauer zu doof, kein Wortspiel zu weit hergeholt: Eingekleidet in das rheinische Idiom wird jeder noch so seichte Gag zum Kracher, bei dem sich das Publikum vor Lachen kugelt. Dass Hausmann zu seinem Debüt nur vor halbvollem Saal spielt, tut der Stimmung keinen Abbruch. Das liegt natürlich auch an der geschickten Distanz, die Hausmann zum Geschilderten aufbaut: Durch Habitus und scheinbar ungerührten Vortrag bedient er sich des Tricks, mit dem schon Heinz Erhardt Erfolge feierte. Doch lange kann der Komiker nicht ernst bleiben und wie einen Ball spielt er die gute Laune ins Auditorium, das sie mit lachendem Echo zurücktreibt.

Am Keyboard von Harald Claßen unterstützt erzählt Hausmann von Kirmesbesuchen, von der Ehe, von Wellness und Klassenfahrten, von Dessous-Partys, Romantik und Computer. Das Programm beinhaltet alles und nichts, wodurch man überall ansetzen kann. Und alles eint der Dialekt, in dessen weiche, milde Intonation man sich am liebsten einkuscheln möchte. Und schnell konjugiert man das Wort kriegen mit: „Ich krieje, du krichst, er kriet.“ Bei so einem Lehrer würde man gerne wieder die Schulbank drücken – selbst mit Griechisch und Latein.

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