Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Kleinkunst

Szenen einer Ehe

MAINZ (31. März 2017). Als die privaten Sender und das Internet noch in den Kinderschuhen steckten, war das deutsche Fernsehen zuweilen so etwas wie der Sachverwalter in puncto Humor: Vor allem die dritten Programme sorgten in den 1980er und -90er Jahren mit „Sketchup“, Hape Kerkelings „Total normal“ oder „Kanal fatal“ im Bayerischen Rundfunk für gut gemachte TV-Unterhaltung ohne Anspruch auf allzu großen Tiefgang.

In diesem Fahrwasser schipperte auch das Vorzeige-Ehepaar „Herbert und Schnipsi“ alias Herbert und Elisabeth Haberkorn, deren Darsteller Claudia Schlenger-Meilhamer und Hanns Meilhamer im richtigen Leben ebenfalls verheiratet sind.

Die beiden wissen also, wovon sie reden und haben für ihr aktuelles Programm „Juchhu, glei‘ schmeißt’s uns wieder“ das satirische Zerrbild einer Partnerschaft erneut gewohnt grell überzeichnet: Er ist der verpeilte Gatte, der es jedem Recht machen möchte und damit zwangsläufig scheitern muss, sie die zänkische Krawallschachtel, die selbst dann protestiert, wenn sie ihren Willen bekommt. Natürlich sind die Bühnencharaktere äußerst überspitzt, doch erzeugen beide Pole eben jene prickelnde Spannung, die die Lachmuskulatur reizt, ohne den Umweg übers Großhirn zu machen.

Allerdings begnügen sich „Herbert & Schnipsi“ nicht mit dem ewigen Geschlechterkampf, sondern steigen auch aus der Rolle heraus und begeben sich ins Private, wodurch so etwas wie Intimität mit dem Publikum entsteht: Man erfährt, wie die beiden vor 40 Jahren im Kino „Alexis Sorbas“ sahen und sich spontan per Anhalter gen Kreta aufmachten. Öfters stellt Hanns alias Herbert die Frage: „Kennen Sie das?“ Die dann folgenden Geschichten (zum Beispiel über zu kurze Lichtschaltung via Bewegungsmelder in Toiletten) verwischen die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit.

Helfen im Fernsehen Kulissen und Kostüme, die Sketche wirken zu lassen, hat man im Unterhaus dafür nur ein paar Requisiten. Doch die Intensität des überdrehten Spiels ersetzt fehlendes Equipment mühelos. Manches ist ein wenig bemüht wie der Auftritt der Fitnesstrainerin, doch bleibt der Abend im Ganzen recht kurzweilig. „Schnipsi“ gibt mit affektierter Mimik hemmungslos den Clown und durch die gut gemachte, rustikale Musik erinnert das Ganze ohnehin an einen bunten Zirkus, wozu die gekonnte Jonglage mit der Publikumsreaktion natürlich bestens passt.

zurück