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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Sehenswerter Kinderkram

MAINZ (2. Februar 2011). Man nehme: einen begnadeten Mimen wie Felix Theissen, eine ebenso talentierte Regisseurin wie Esther Schweins, ein Thema, das man mit Klischees so richtig schön vollpacken kann und natürlich ein gut gelauntes und erwartungsvolles Publikum: Nach dem Bühnenstück „Caveman“, das Theissen seit Jahren erfolgreich spielt, debütierte der Schauspieler jetzt mit „Hi Dad!“ im Frankfurter Hof.

Der Kindersegen ist natürlich ein wunderbares Sujet, dem sich Theissen ja fast schon zwanghaft widmen muss: Nachdem er sich lange Zeit mit dem Thema Mann und Frau auseinandergesetzt habe, sei es natürlich auch interessant, was diese so miteinander machten – und was dabei herauskäme.

Schon ist man mittendrin, wenn auch noch kinderlos: Theissen und Freundin Heike sitzen im Urlaubsflieger und lassen sich ihr Nervenkostüm durch ein schreiendes Kind drei Reihen vor ihnen durchlöchern. Man kennt das – sei es aus der Sicht des „Zuhörers“ oder des Elternpaares: Malträtiert werden alle irgendwie. Oder auch inspiriert, denn plötzlich erwacht in Heike der Drang nach Reproduktion und Felix Theissen fühlt sich hineingerissen in den Strudel der Gedankenspiele und Gefühlsschwankungen bis irgendwann das Kind da ist – und mit ihm tausend weitere offene Fragen.

Alles rund ums Kind ist in „Hi Dad!“ als Thema genau so dankbar wie Mann und Frau es in „Caveman“ sind: Theissen muss nichts neu erfinden, aber er kann mit den vorhandenen Klischees meisterhaft jonglieren und steht nicht nur als Felix auf der Bühne, sondern auch als Heike und schlüpft urkomisch in den Strampelanzug des Kindes. Gekonnte Zuspitzung, skurrile Übertreibung, elegant karikierende Mimik und Gestik – Theissen schmückt die Welt der Windel mit bissigen Kommentaren, die mit süffiger Selbstironie durchtränkt sind.

Ein großer Ball ist einzige Requisite, die mal als Bettstatt dient, um die beste Stellung zur erfolgreichen Paarung zu ermitteln, mal Untersuchungsstuhl beim Frauenarzt und mal der dicke Bauch der Schwangeren ist. Theissen springt von einer Phase in die nächste: Zweifel ob der zu erwartenden Freizeiteinbuße, begeistertes Entsetzen über den positiven Schwangerschaftstest, hilfloses Wundern über weibliche Fressattacken, Staunen über die Geburtsvorbereitung, Fotografier-Wahn oder das Glück der Geburt mit den folgenden Verwandtenbesuchen.

Und plötzlich sitzt man mit Familie Theissen wieder im Flugzeug: Diesmal müssen sie ihr schreiendes Kind beruhigen. Der Mime zeichnet als Komödiant die Rolle des werdenden und seienden Vaters nach; doch bei allem Witz wird deutlich, dass Theissen dieses Abenteuer als großartige Erfahrung einschätzt – trotz aller Klischees…

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