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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„30 Minuten relevantes Fernsehen“

MAINZ (8. September 2015). Licht aus, Spot an: Heute wird in Köln die neue kabarettistische Late-Night-Show „Mann, Sieber!“ aufgezeichnet. Das Ergebnis wird morgen um 22.45 Uhr im ZDF zu sehen sein. Tobias Mann agiert hier gemeinsam mit Christoph Sieber als Gastgeber. Über diese Rolle und die Herausforderungen einer TV-Show sprachen wir mit dem Mainzer Künstler.

schreibwolff.de: Wie groß ist die Freude auf die neue Sendung?

Tobias Mann: Riesig. Ich habe mir immer geschworen, nur TV-Projekte anzunehmen, hinter deren Konzept ich zu hundert Prozent stehen kann – am besten eine Late-Night-Show oder eine Kabarettsendung. Und jetzt darf ich zusammen mit dem wunderbaren Satire-Kollegen Christoph Sieber eine kabarettistische Late-Night-Show moderieren. Damit wird ein Traum wahr.

schreibwolff.de: Was TV-Auftritte angeht sind Sie ja kein Greenhorn mehr. Haben Sie dennoch Lampenfieber?

Tobias Mann: Ich bin immer noch unglaublich nervös – nicht nur bei Fernsehauftritten. Die letzte Frage bevor ich auf die Bühne gehe ist darum sehr oft: „Warum tust Du Dir das an?“ Dann spüre ich das Scheinwerferlicht, spreche die ersten Worte, das Publikum reagiert, ich komme in den Spielfluss und weiß sofort die Antwort.

schreibwolff.de: Wie bereiten Sie sich auf eine Fernsehaufzeichnung vor?

Ich beschäftige mich sehr intensiv mit der gesamten Sendung, so dass ich jeden Inhalt vorwärts, rückwärts und seitwärts kenne. Ich brauche diese Sicherheit, um fröhlich aufspielen und auch mal improvisieren zu können. Außerdem bin ich ein großer Freund von Proben.

schreibwolff.de: Lassen Sie uns doch mal hinter die Kulissen schauen. Ist es dort sehr stressig?

Tobias Mann: Der Stress bei Fernsehsendungen ist schon nicht ohne. Letztlich muss ja der Auftritt in diesem einen Moment der Aufzeichnung möglichst perfekt sein. Als Gast einer Live-Sendung ist das dann noch mal eine Ecke härter. Und für uns als Moderatoren unserer eigenen Show kommt noch jede Menge Stress hinzu: Texte müssen geschrieben, abgestimmt und bildlich umgesetzt, Einspieler gedreht, Kostüme anprobiert und Aktionen geplant werden. Kurzum: Langweilig ist mir derzeit gerade nicht.

schreibwolff.de: Hilft es eigentlich, eine Sendung nicht alleine stemmen zu müssen?

Tobias Mann: Aber hallo! (grinst) Die Doppelmoderation war ja schon für Harald Schmidt und Oliver Pocher ein echtes Erfolgssystem. Scherz beiseite: Christoph und ich ergänzen uns wunderbar – er als eher pessimistischer Philosoph und ich als eher optimistischer Satiriker. Mit diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten begegnen wir uns in der Show auf Augenhöhe – zumindest humoristisch, rein körperlich gelingt mir das ja leider nicht. Wenn Christoph in seiner skeptischen Weltsicht wieder mal zu der Erkenntnis kommt, dass die Welt eh verloren ist, stachele ich ihn an, die Zeit bis zum Untergang dann doch bitte unterhaltsam zu gestalten.

schreibwolff.de: Was ist am Konzept gegenüber anderen Kabarett-Shows neu und anders?

Tobias Mann: Unser Ziel ist es, eine Symbiose aus modernem Kabarett und intelligenter Fernsehunterhaltung zu schaffen. Das findet ja derzeit meist nur getrennt voneinander statt. Wir vermählen dazu klassische Elemente einer Late-Night-Show mit haltungsstarken Satirenummern. Wenn unser Plan aufgeht, dann entsteht daraus eine halbe Stunde relevantes Fernsehen, bei dem wir so amüsant und kreativ wie möglich den Finger in die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Wunden legen. Ich habe so eine Sendung im deutschen Fernsehen bisher vermisst. Jetzt darf ich sie, zusammen mit Christoph, selber machen.

„Mann, Sieber!“ wird am 15. September um 22.45 Uhr im ZDF gezeigt. Weitere Sendungen am 13. Oktober, 10. November, 16. Februar, 15. März und 12. April.

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