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Liederpreis 2012 geht an Konstantin Wecker

MAINZ (29. September 2012). Zwar klingelte auch für diese Preisverleihung die Unterhaus-Glocke, jedoch nur um die Gäste daran zu erinnern, dass die Vorstellung bald beginnt und die Pause zu Ende ist: Fünf Wochen, bevor sich die Jury zu ihrer jährlichen Sitzung einfindet, um die Träger des Deutschen Kleinkunstpreises zu ermitteln, wurde im Mainzer Forumtheater der „Liederpreis der Liederbestenliste“ 2013 übereicht. Ausgezeichnet wurde Konstantin Wecker; das Trio „Caro.Kiste.Kontrabass“ aus Kassel erhielt den Förderpreis.

Der Liederpreis wird jedes Jahr von der Liederbestenliste mit Unterstützung der Musikzeitschrift „Folker“ übergeben. Ermittelt wird die Liste vom Verein für deutschsprachige Musik e.V.: Seit 1984 erstellt eine Jury aus 20 Musikkritikern und Radiojournalisten aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland monatlich eine „Hitparade“ des deutschsprachigen Liedes, in dem die einzelnen Juroren jeweils sieben Titel, denen sie möglichst viele Hörer wünschen, nennen und mit Punkten werten. Die Liederbestenliste wird von verschiedenen Radiostationen (darunter der Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, WDR, SR, MDR und ORF) ausgestrahlt.

Wie beim Eurovision Song Contest entscheidet am Schluss die höchste Punktzahl: Für seinen Titel „Absurdistan“ von der CD „Wut und Zärtlichkeit“ darf sich Konstantin Wecker 2012 über den Liederpreis freuen – nach 1985, 1990 und 1993 bereits zum vierten Mal. Im ausgezeichneten Lied ärgert sich der Sänger einmal mehr über die Widersprüche der Gegenwart und begann auch an diesem Abend den Song mit jener Strophe, die man ihm zum Glück nicht abkaufen kann: „Hab‘ keine Lust mehr, der Nörgler zu sein, / bin müde vom Kämpfen und Klagen, / werd‘ ab sofort gesellschaftskonform / und verzichte auf weitere Fragen.“

Dass Wecker auch in Zukunft eben nicht schweigen möge, wünschte sich Juror Michael Kleff in seiner Laudatio auf den Preisträger: Für ihn ist der Ausgezeichnete ein politischer Poet, der mit seinen musikalischen Momentaufnahmen Politik und Gesellschaft immer wieder hinterfrage; damit mache Wecker in seinem „kritischen und rebellischen Unruhestand“ den Menschen Mut, sich einzumischen. Das tat der Barde denn auch stimmgewaltig und von Jo Barnikel am E-Piano begleitet.

Den Förderpreis erhielt in diesem Jahr das Trio „Caro.Kiste.Kontrabass“: „Sie heben sich wohltuend von dem ab, was in den etablierten Medien alltäglich geboten wird“, trug Petra Schwarz das Jury-Urteil über die Sängerin Caro Werner und ihre Musiker Harald Bernstein und Axel Garbelmann vor: „Elemente von Swing, Folk, Jazz, Rap und Chanson, angereichert mit einer Prise Balkan-Groove und ein wenig Karibikflair, vereint das Trio mit ungezwungener Selbstverständlichkeit.“ Im Unterhaus begeisterte das Trio sein Publikum unter anderem mir Liedern vom „Flohmarkt im Kopf“, von „Glasmurmelmomenten aus dem Erinnerungssäckchen“ und „Großstadtnomaden zwischen Kohle und Cholesterin“ deren grauer Alltag dringend ein bisschen Farbe benötige.

Neben den Ausgezeichneten durfte sich das Publikum im Unterhaus auch über ein Gastspiel der schweizerischen Sängerin Dodo Hug freuen, die mit ihrem Partner Efisio Contini unter anderem Songs aus ihrem italienischen Arbeiterlieder-Programm intonierte und das Schicksal von Emigranten und Reis-Erntehelfern besang.

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