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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Lachen über das goldene Kalb

MAINZ (18. April 2013). Zwei kurze Wörter bilden den Titel von Luise Kinsehers aktuellem Programm und spannen doch einen weiten und vor allem aktuellen Bogen, an dem die Kabarettistin ihre Gedanken anbinden kann: „Einfach reich“.

Und da das Thema unglaublich vielschichtig ist, hat sich Kinseher für ihr Unterhaus-Gastspiel gleich mal vervielfacht: Neben ihr sind da die geizige Frau Rösch, die verschwenderische Frau Lachner, die betrunkene Maria und aus der gehobenen Gesellschaft Helga Frese.

Mit diesem „Personal“ geht Luise Kinseher das Thema Reichtum an, bevor sie selber geht – der teure Porsche ist verkauft, eine einsame Alm erworben: „Auf der nächsten wohnt die Heidi, wie sie sie aus dem Zeichentrickfilm kennen – eben nur sehr viel älter.“ Zu ihr kämen Banker aus Zürich und Frankfurt, um das Jodeln zu lernen: „Aber das Echo können sie dann nicht mehr abwarten.“ Hunderte von Euro böten sie Heidi, um nur eine Nacht in totaler Einfachheit zu kampieren: „Sie verwendet die Scheine dann zum Anschüren.“ Und schon ist geklärt, wo die Milliarden der Finanzkrise sind – oder waren.

Luise Kinseher hat ihre Figuren bewusst übertrieben angelegt. Sie selbst würde an diesem „letzten“ Abend gerne das Eintrittsgeld zurückzahlen, hat die Rechnung aber ohne ihre „Mitarbeiterinnen“ gemacht: „Sie auf der Alm? Verzicht auf Wohlstand und ganz ohne Geld? Sie sind doch katholisch!“; hakt Rösch nach und die Maria lallt sich durch ihre Vergangenheit in den Staaten, als sie stets Besuch vom „Clooney-Schorsch“ bekam. Der Mime habe jetzt das Backen für sich entdeckt: „Wegen dem vielen Espresso.“

Werbung, Shoppen, Sparen, Angst, Neid, Besitz – die von Kinseher versprochene Geste der Großzügigkeit geht im Getriebe des Kommerzes gnadenlos unter. Dafür bekommt das bestens aufgelegte Publikum ein bajuwarisches Pointenfeuerwerk der Extraklasse. Die Kabarettistin agiert selbstironisch und mit wachem Blick für das Absurde: „Gandhi besaß nur einen Teller, Sandalen und seine Nickelbrille – all das wurde jetzt für zwei Millionen Dollar versteigert und man kann sehen, wie reich man durch Einfachheit werden kann.“

Doch was ist die Lösung angesichts des schleichenden Weltuntergangs: „Zuerst bekommt Baden-Württemberg einen grünen Ministerpräsidenten, dann gehen in Griechenland und Zypern die Banken pleite…“ Vielleicht einfach mal aus dem Tanz ums goldene Kalb ausscheren und darüber herzlich lachen – Luise Kinseher gibt gerne Hilfestellung.

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