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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Spritztour mit dem lieben Gott

MAINZ (13. März 2016). Auffällig viele Besucher des Frankfurter Hofes linsen vor Veranstaltungsbeginn und während der Pause auf ihre Smartphone-Bildschirme, um sich über die neuesten Hochrechnungen der Landtagswahl zu informieren. Doch der Abend mit Martina Schwarzmann ist unpolitisch – angesichts des Wahlkampfgetöses der vergangenen Tage und Wochen durchaus eine Wohltat.

Ohnehin wäre der Name des aktuellen Programms der bayerischen Liederkabarettistin ohnehin nicht nach dem Geschmack jeder Landesmutter-Kandidatin gewesen: „G’scheid g’freit“. Und das sei auch Ziel des Abends, unterstreicht die sympathische Sängerin, womit sie die fernöstliche Wahrheit, nach der bereits der Weg das Ziel ist, perfekt vorlebt: Vom ersten Schritt auf die Bühne bis zur Zugabe herrscht eine wunderbar lockere Stimmung – Martina Schwarzmann gewinnt mit ihrer offenen und unprätentiösen Art sofort die Herzen ihrer Zuhörer, die sich mehr als einmal die Lachtränen aus den Augen wischen.

Schwarzmann steht für handfestes Kabarett: Sie redet und singt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, vom Herz direkt auf die Zunge. Mit oder ohne Klampfe: Ihre witzigen, weil wunderbar detaillierten Alltagsbetrachtungen und die trockenen Kommentare lassen einen das Geschilderte fast hautnah miterleben. Würde man die Geschichten verfilmen, es wäre eine veritable Fortsetzung von Gerhard Polts legendärer Reihe „Fast wia im richtigen Leben“.

Schwarzmann erzählt von ihrem Familienleben, von Geburtstagen, von ihrem Mann und den drei Kindern, von anderen Müttern („Freundinnen, die man sich nicht aussucht.“), von Träumen und den Vorzügen, die Tretbootfahren auf dem Ammersee gegenüber einer Luxus-Yacht an der Côte d’Azur hat. Es zwischenmenschelt funkenschlagend, wenn sie dabei Dialoge rekonstruiert – besonders, wenn sie männliche Stimmlagen intoniert. In diesem Jahr erhielt Schwarzmann den Deutschen Kleinstkunstpreis in der Sparte Lied und Chanson. Aber auch, wenn sie spricht, hat ihre Komik eine ansprechende Melodie, deren nonchalantem Charme man sich kaum entziehen kann.

Die stoische Mimik, mit der sie kleine und große Katastrophen vorträgt, erinnert an Landsmann Ottfried Fischer und verfehlt ihre Wirkung nicht: Es geht um die Bastelwut und Chaosliebe der Kinder, um eheliche Missverständnisse und das unglaubliche Glück zu erleben, wie eine Henne einen fahren lässt – direkt, dialektgeprägt, bauernschlau und unheimlich lustig, so dass man sich tatsächlich „g’scheid freit“.

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