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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Verbale Karikaturen

MAINZ (11. April 2013). Max Uthoff hat seinem aktuellen Solo den Titel „Oben bleiben!“ gegeben und erinnert an jenen Frosch, der, in eine Milchkanne gefallen, so lange strampelt, bis das flüssige Weiß zu Sahne geworden ist: Uthoff strampelt verbal und aus dem Schlamassel, den er beschreibt, wird eine geschmackvolle Creme.

Er tut dies aus Respekt vor dem Unterhaus-Auditorium – und angesichts gegenseitiger Abhängigkeit: „Ich brauche Sie, um meinen Carport aus handgetriebenem Korallen-Ytong abzubezahlen.“ Und das Publikum brauche ihn, um sich die eigene Meinung ausformulieren zu lassen. Hier aber ist Max Uthoff, der 2012 den Deutschen Kleinkunstpreis erhielt, ein ganz Großer: Kunstvoll und elegant, mühelos und federleicht kommentiert er die Realität und was dafür gehalten wird. Hauptsache, man werde wahrgenommen: „Wie das Kind, das hinfällt und erst dann losplärrt, wenn die Eltern hinschauen.“

Das aufgeschürfte Knie der Gesellschaft heißt für Uthoff heute Facebook – und jeder mache mit: „Von Peter Hahne bis Anders Breivig.“ So viele Freunde wie im sozialen Netzwerk könne man nur auf billigen Swinger-Partys sammeln und Facebook mache aus dem Begriff Freundschaft das, was die Deutsche Bahn aus einer Kaffebohne mache. Uthoff formuliert scharf und pikst so penetrant mit dem Florett, dass es die Wirkung von veritablen Säbelhieben hat.

Alles wird ironisch hinterfragt: „Wenn auf den islamistischen Märtyrer 72 Jungfrauen warten, sollte er darüber nachdenken, warum diese unberührt verstorben sind: Was für eine Anstrengung: 72 Frauen, die nicht wissen, wie es geht! Dann doch lieber eine Hure mit achtjähriger Berufserfahrung.“ Die Witze sind zuweilen scharf wie Chili und erfrischend respektlos. Einzig ein wenig Linie fehlt dem Programm: Uthoff springt jedoch elegant wie leichtfüßig von Thema zu Thema und seine sprachliche Brillanz gepaart mit aristokratischem Humor vergoldet jedes Thema.

Klar, dass auch die Politik nicht ungeschoren davonkommt, allen voran die Grünen in Baden-Württemberg mit ihrer „Doppelstumpfe“ aus Winfried Kretschmann und Fritz Kuhn: „Grün sein heute heißt zu hoffen, dass die Särge deutscher Soldaten aus nachwachsenden Hölzern gezimmert werden.“ Der Wohlstandsbürger wolle ein „ideologisches Kirschkernkissen“, auf dem er „die Schäfchen zählt, die er schon ins Trockene gebracht hat“.

Solchen verbalen Karikaturen könnte man stundenlang zuhören und stört sich höchstens an mancher Plattitüde über den Kindersegen Ursula von der Leyens. Dafür hat noch keiner Kristina Schröder so treffend portraitiert: „Sie ist der Einzug der naiven Malerei ins Sittengemälde der Gegenwart.“ Nur als Uthoff den Begriff der Dummheit mit FDP gleichsetzt, ruft er sich selbst zurück: „So leicht darf man sich das nicht machen – nachher bürgert sich das noch ein und die Begriffe werden zu Synonymen…“

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