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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Geige geteilt durch zwei ist gleich Microband

MAINZ (31. Januar 2018). Der Vergleich wurde dummerweise bereits von einem Kollegen gezogen, doch drängt er sich förmlich auf: Was die beiden Musiker Luca Domenicali und Danilo Maggio als Duo Microband da auf der Bühne treiben, erinnert tatsächlich an die legendären Marx-Brothers.

In all ihren Filmen spielte die Musik-Clownerei eine wichtige Rolle, denke man nur an die Harfensoli von Harpo! Mit genau demselben Charme agieren die beiden Italiener im Unterhaus und spielen auf Gitarre, Geige oder Flöte ganz eigene Adaptionen klassischer Musik.

Luca will am liebsten die berühmte „Spanische Romanze“ spielen, ganz klassisch als Solo auf der Konzertgitarre, doch Danilo scheint gerade gegen diese Klänge allergisch zu sein und sabotiert den Kollegen bei jedem neuen Anlauf. Womit auch schon das Grundgerüst der Show erklärt ist, die Musikliebhaber wie Gelegenheitskonsumenten harmonischer Klänge von Beethovens fünfter Sinfonie bis zu Ravels „Bolero“ gleichermaßen begeistert. Einziges Manko des Abends: Nach gerademal einer guten Stunde ist das Programm auch schon wieder zu Ende, worüber die Zugaben nur dürftig hinwegtrösten.

Denn zu grandios ist das, was die beiden Künstler hier auf die Bühne zaubern: Der ständige Zwist ist die eine Seite (oder Saite?), das hochprofessionelle gemeinsame Musizieren die andere – dazwischen verläuft das straffe Seil der gekonnten Parodie, auf dem stilistisch waghalsige Pirouetten gedreht werden. Man hört Brahms‘ „Ungarischen Tanz Nr. 5“, Bachs berühmte Air, den Radetzky-Marsch oder den aus einer Tortenwerbung bekannten „Tanz der Stunden“ aus der Ponchielli-Oper „La Gioconda“.

Aber wie: mal gespielt auf zwei Instrumenten, mal vierhändig auf nur einer Gitarre, mal im Duett auf einer jäh längs gespaltenen Geige, auf der Trompete geblasen oder – wie bei Bachs Choralbegleitung aus der Kantate „Jesu bleibet meine Freude“ – zu zweit auf vier Blockflöten geblasen!

Mag die Stunde Kabarett auch genau durchgetaktet sein: Die Show der beiden Musiker im Frack wirkt wunderbar improvisiert und hat dadurch eine faszinierende Leichtigkeit. Luftballons werden zwischen den Knien zu fulminanten Drum-Sets und „Azzurro“ von Landsmann Adriano Celentano wird gar auf winzigen Gitarren intoniert – der Name Microband ist schließlich Programm. Loriot hätte seine Freude daran gehabt, denn hier bläst ein Trompeter auch mal ganz praktisch in eine Geige.

Wer seine innere Musikbibliothek abscannt, um jedes Stück zu erkennen, macht einen Fehler, denn er könnte wunderbare Gags verpassen, die die Meister ihres Fachs großzügig platzieren. Da wird eine von zwei Zuhörern straff gespannte Stahlseite zum Bogen und Danilo zieht die Geige darunter griffsicher vom einen zum anderen. Und als Luca die Bogenbespannung des Kollegen kappt, greift dieser auf seinen Schnürsenkel zurück. Gesprochen wird übrigens wenig – die Musik ist der Star des Abends. Und natürlich: Microband.

Eine Kostprobe gibt es hier: http://www.microband.it/videotedesco.html.

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