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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Munterer Mutterwitz

MAINZ (20. April 2017). „Wir sind Eure Mütter“, begrüßen die drei Herren in Schwarz ihr Auditorium im Frankfurter Hof. Ausverkaufte Reihen, gute Stimmung – da ist das augenzwinkernde Anbiedern von Andreas „Andi“ Kraus eigentlich überflüssig: „Ein richtig gutes Publikum rastet spätestens bei der zweiten Nennung unseres Namens aus.“ Mainz hat offensichtlich ein solches, denn als er den Namen des Trios wiederholt, johlt der ganze Saal.

Seit 15 Jahren sind „Eure Mütter“ – neben Kraus sind das Donato „Don“ Svezia und Matthias „Matze“ Weinmann – als munterer Mutterersatz unterwegs und machen Comedy zwischen „RTL Samstag Nacht“ und Monty Python’s „Flying Circus“ – eine bunte Nummernrevue mit Höhen und Tiefen, aber immer guter Stimmung. Schlag auf Schlag setzt es Pointen: mal derb, mal geistreich, aber immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Mutterwitz.

Gesungen, getanzt, gesprochen – das Trio beherrscht die Bandbreite der Darstellung und beeindruckt mit markanter Bühnenpräsenz. Das an diesem Abend gespielte Programm heißt „Ohne Scheiß: Schoko-Eis!“ Im kommenden Jahr ist am 2. April in der Rheingoldhalle das neue („Das fette Stück fliegt wie ‘ne Eins!“) zu sehen, parallel gibt man auch die anderen: „Schieb, Du Sau!“, „Runterschalten, Fresse halten!“, „Nix da ‚Leck mich!‘ Auf geht’s!“ sowie „Bloß nicht menstruieren jetzt!“. Wer hier nach einem tieferen Sinn sucht, wird famos scheitern. Nein, „Eure Mütter“ will einfach nur unterhalten. Und das gelingt, weil die Mischung stimmt.

Zugegeben: Manche Nummer ist schwächer, aber die stets gute Stimmung rettet locker darüber hinweg. Es gibt tolle Lieder zum Thema, was man (auf Partys, Ämtern oder vor der Angebeteten) sagt (und eigentlich denkt), eine Hommage an die Farbe „Mauve“ oder gut gemachte Parodien auf Talkshows sowie den WDR-Sorgentelefonisten Domian, der von Kollege Conian (dem Barbaren) vertreten wird: Statt den Nöten anderer zuzuhören, schwadroniert er detailliert aus seinem wilden „Leben“, das man am nächsten Tag erstaunt im Internet nachrecherchiert.

Jeder hier hat sein Talent; das von „Don“ beispielsweise ist eine herrliche Mimik, die er im Sketch „Die Gesichter der Saison“ wunderbar einsetzt. Man singt über Intimrasur (als angesagtes Männerthema in Wartezimmern) und ätzt gegen Mittelaltermärkte, wobei man eine pfiffige Pointe im Köcher hat: „Werden sich in 800 Jahren Menschen als Handyverkäufer und Versicherungsmakler verkleiden?“ Stars der Kindheit werden ebenso durch den Kakao gezogen wie willkürlich ausgespähte „Opfer“ im Publikum.

Am Schluss greift „Eure Mütter“ eine eigentlich schon ausgestorbene kabarettistische Tradition auf, in der der Künstler alle Themen des Abends nochmals zusammenfasst: Sie verleihen sich selbst die „Ohne Scheiß: Schoko-Eis!“-Trophäe für die beste Darbietung, das beste Kostüm oder den besten Sketch. Verdient haben sie alle, aber einer bekommt sie am Schluss tatsächlich: Lukas aus der ersten Reihe, dessen Freundin Luisa hoffentlich doch nicht dem Balzen von der Bühne aus erliegt.

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