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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Baden in Buchstaben

MAINZ – Unsicher steht Olaf Schubert auf der Bühne im Zelt des 3sat-Festivals. Machen ihm die vielen Scheinwerfer Angst? Wohl kaum: Dieser Mann ist TV-erprobt und gehört zweifelsohne mit zum Besten, was derzeit in der Kabarett-Landschaft Blüten treibt.

Gemeinsam mit seinen Freunden Bert Stephan (Bass) und dem Gitarristen Jochen M. Barkas bereicherte er jetzt das alljährliche Kabarettisten-Stelldichein auf dem Lerchenberg mit einer verbalen Dusche aus dem Füllhorn seines Vokabulariums und lud zu einem den Geist erfrischenden Bad in Buchstaben ein.

Schon die Ankündigung Bert Stephans ist Balsam für die Ohrmuschel, denn die Zeltgemeinde erwartet „den Fahnenhalter hoch droben im Ausguck, den einsamen Mahner in der Schaltzentrale eines verbalen Stellwerks am abgewetzten roten Hebel der Wahrheit und einen Denkgiganten“ – kurz: „die Start- und Landebahn für die geistigen Luftschiffe der Zukunft“.

Und dann kommt er, dieser bar jeden Geschmacks in Karo-Pullunder gewandete sächsische Schlacks, der ungelenk und mit den Händen knetend gegen die Unbill seiner Umwelt anzupredigen versucht – die optische Hülle steht dabei in krassem Widerspruch zu den akustischen Bonmots. Schließlich gibt es heute nichts weniger als die 45-minütige „Kurzfassung des Gesamt-Œuvres“ dieses Betroffenheitslyrikers, der seine Pointen mit Neologismen und Umdichtungen garniert.

Es geht um die Emanzipation von „Trümmer-, Wasch- und Traumfrauen“, um Alienforschung – „Wenn Fotos mit Außerirdischen gefälscht sein können, dann gilt das auch für Bilder ohne Aliens.“ –, Weltreisen und diverse andere „Sachgemengelagen“, die Schubert ersinnt, um den „Herrschenden in die Flinte zu pullern“.

Wenn dieser Mann den Mund öffnet, um seine fein und filigran gefertigten Satzgebilde und -vertonungen dem Publikum zu Ohren zu legen, dann hört man bass vor Staunen zu: Was man in einem Satz oder noch kürzer in einem Wort ausdrücken könnte, erhält bei Schubert ungeahnte Opulenz. Wie aus einem prall gefüllten Drucker-Setzkasten scheint er für seine Sentenzen die Buchstaben mit vollen Händen aufs geistige Papier zu werfen, um hieraus klangschön, intelligent und herrlich abstrus Sätze von humorvoller Anmut zu kreieren.

Von Geistesblitzen getroffen explodieren Schuberts Einfälle in schillernde Gedankensplitter und schweben als geflügelte Worte aufs Publikum nieder: Eleganter als dieser Dichterfürst des klugen Nonsens kann man seinen Pegasos kaum reiten.

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