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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Pigor & Eichhorn & der Ulf präsentieren Volumen 6

MAINZ – Hat man da was verpasst? Nach Volumen 4 präsentierte Thomas Pigor im Unterhaus jetzt gleich Volumen 6. Und was ist mit der 5? Die hatte Pianist Eichhorn im Alleingang konzipiert und „Benedikt Eichhorn singt & der Ulf muss begleiten“ genannt. Ohne Pigor! Na, der traut sich ja was! Aber Pigor hat das Heft wieder in die Hand genommen: Auch in Volumen 6 ist er der Platzhirsch. Der zwar nicht röhrt, aber eben singt. Und Benedikt Eichhorn? Muss wieder begleiten.

Auch mit dem aktuellen Programm, mit dem das ungleiche Paar mit ihrem DJ Ulf im Schlepptau jetzt endlich auch das Mainzer Unterhaus beglückten, haben die drei wieder voll ins Schwarze getroffen und den Chanson kräftig gegen den Strich gebürstet. Was dabei heraus gekommen ist, kann sich durchaus hören lassen. Und sehen: Vor allem Pigor entweder im weißen Smoking oder in einem Outfit, das wie eine Kreuzung aus Napoleon, Falco und Karl Lagerfeld anmutet.

Mit seiner süffisanten Stimme und leicht schlüpfrigen Mimik beklagt er bei einer Frau, dass sie keinen Mann hat und somit einer möglichen Liaison den Reiz raubt. Oder das „Zeitverplempern mit Sozialkontakten“ wird thematisiert: „Man fällt rein auf ihren Sexappeal, doch jeder Appeal ist ein Appeal zu viel“, reimt der in Alzey geborene Wahlberliner.

Überhaupt: Der Umgang mit der Sprache, den Thomas Pigor in seinen Liedern pflegt, ist rasant und von geradezu berauschender Güte. Der Song „Nieder mit IT“ reißt das Publikum im Beifallstumult von den Stühlen; schnell wird klar, dass die modernen Zeiten auch im Kabarett Einzug gehalten haben, wenn die Künstler von der Bühne nicht mehr lautstark die Politiker angreifen, sondern die Computerkonzerne verfluchen: Hier fühlt sich das Publikum verstanden und bejubelt den, der seine Stimme für die vielen ratlosen Rechnerbenutzer erhebt.

Einen einzigen Song aus Volumen 5 darf Benedikt Eichhorn singen: Den „Begleiter“. Zuvor lässt Pigor allerdings im Publikum Wodka ausschenken und erlaubt ausdrücklich das bronchiale Abhusten während des Liedes.

Volumen 6 hingegen ist auch neu strukturiert: Es besteht aus gleich drei Hälften, von denen sich eine einem Interview widmet. Hier agiert Benedikt Eichhorn als herrliche Karikatur des selbstgefälligen Reinhold Beckmann und Pigor torpediert das Geschwafel der Talkshow derart erfolgreich, dass man ihn als Allzweckwaffe zielgerichtet durch alle Sender schicken möchte. Garniert wird der aberwitzige Austausch von Allgemeinplätzen – auch diesen ist mit „Jung & Inkompetent“ ein eigener Song gewidmet – mit Kurzchansons zu Themen wie Tomatensaft, Bahnhofsarchitektur oder den Farben Schwarz, Rot und Gold.

Im Finale singt Pigor „Le Blues du Blanc“, den Blues des weißen Mannes und richtet mit der Gewissheit, dass gerade die heranwachsenden Kevins unser Land retten werden, einen optimistischen Blick in die Zukunft. Und wer denkt, die dynamische Dreifaltigkeit aus Pigor, Benedikt und dem Ulf schwimmt nur auf der derzeit gängigen Jugendschelte mit, den belehren sie mit dem gekonnt zugespitzen „Maulende Rentner“ schnell eines Besseren.

Fazit: Auch Volumen 6 ist wieder mal ganz große Klasse. Und vielleicht erlaubt Pigor seinen beiden „Partnern“ ja doch mal, weitere Ausschnitte aus dem verbotenen Volumen 5 vorzutragen…

Das aktuelle Progamm ist unter dem Titel „Pigor singt, Benedikt muss begleiten und der Ulf – Volumen 6“ bereits auf CD erschienen. Vertrieben wird der Tronträger von Indigo unter der Nummer 903002 sowie vom Eichborn-Verlag (ISBN 978-3-938781-62-3).

Informationen zu Pigor, Eichhorn & dem Ulf sowie unzählige Liedtexte, Downloads und vieles mehr finden sich unter www.pigor.de.

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