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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Kabarett und Anarchie

MAINZ (8. November 2012). Die Frage als Antwort: Dass das Programm von Sebastian Pufpaff „Warum!“ heißt, spricht für sich, denn das erste Kabarettsolo des 35-jährigen überzeugt restlos. Und dafür braucht er gar nicht mal in rosa Ballettkleid und weißen Schläppchen mit Schwungband über die Bühne des kleinen Unterhauses zu schweben. Doch das ist ja schon die Zugabe. Davor brilliert Pufpaff mit schrägen An- und Einsichten, bissigen Kommentaren – kurz: mit der versprochenen Melange aus Kabarett und Anarchie.

Schon optisch überzeugt das Ensemble aus schwarzem Anzug und Turnschuh, in dem der schlaksige Siegerländer mit dem scharf gezogenen, grau melierten Scheitel steckt. Für ihn war der amtlich verbürgte Nachname Pufpaff schon immer Katastrophe und Chance zugleich: „Werde ich depressiv oder witzig?“ Als Künstlernamen hätte er andere gewählt: „Lars Vegas, Volker Racho oder Lasse Lache“. Nach schlechten Erfahrungen beim Pizzabestelldienst („Mit dem Namen sollte man immer ‘ne Dose Ravioli zuhause haben…“) und als Aussortierter bei erotischen Spam-Mails („Ne lass‘ mal – das is‘n Kollege…“) blieb ihm nur der Ausweg auf die Bühne. Und dort ist er richtig!

Er, der früher Polizist werden wollte, um sich einen Wasserwerfer für den Hausgebrauch borgen zu können, referiert über den Schlagstock: „Die dürfen das nur gegen Arme und Beine einsetzen. Gegen Arme ist klar…“, lässt Pufpaff seine kritischen Bonmots wie feinen Sand ins Räderwerk rieseln. Er hasst schwedische Möbelhäuser, da er dort knietief durch Röstzwiebeln waten muss und sinniert über Erdmännchen und Vögel im Zoo, deren Haltungsweise er sich auch für Kinder und Senioren vorstellen kann.

Mit einer intelligenten Mischung aus bösartiger Pointe und plattem Witz, der jedoch gekonnt platziert wird, rät er bei schwierigen Kindheiten ruhig mal mit Vollgas durch die Spielstraße zu fahren, um mimisch über den eigenen Humor entsetzt diesen sogleich als Metapher zu entlarven. Dabei spielt er virtuos mit seinem begeisterten Publikum. Wenn er von Priester und Messdiener spricht, ruft das sogleich das erwartete Glucksen hervor: „Die Bilder sind in Ihrem Kopf“, belehrt Pufpaff: „Das ganze ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Kardinalsfehler.“

Auch wenn sich der Kabarettist hierzulande in einem „Service-Gulag“ wähnt, erweist er sich selbst doch als galanter Dienstleister in puncto Unterhaltung. Anhand des „Todespudels“ aus der ersten Wetten dass..?-Sendung mit Markus Lanz weiht er in die Geheimnisse der Evolution ein, und zeigt die ewige Wiederkehr der Desaster aus vergifteten Lebensmitteln, Umweltkatastrophen sowie Rückrufaktionen der Autoindustrie: „Und ab September gibt es Lebkuchen.“

Der Aberwitz der Realität wird von Pufpaff genauestens seziert – und dennoch bleiben offene Fragen: Wer hat das Alphabet sortiert und was tat Gott vor der Schöpfung? Allerdings erfährt man auch viel – zum Beispiel über das wahre Opfer in der Affäre um Christian Wulff: „Es ist der Architekt, der den Klinkerbau in Großburgwedel erschuf.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.pufpaff.de.

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