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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Gar nicht dumm gelaufen

MAINZ (30. November 2017). Sein Maskottchen ist ein Mann in einem Hasenkostüm, dessen Reißverschluss abgerissen ist – der Typ steht vor dem Klo: „Shit happens“ (zu Deutsch: „Dumm gelaufen“) heißt das Motto, unter dem Ralph Ruthe Comics zeichnet. Und das mit großem Erfolg: 21 Bücher hat er bereits mit seinen visuellen Sketchen gefüllt und auf Youtube schauen sich begeisterte Fans deren Umsetzung ins Videoformat an. In Mainz machte der Cartoonist jetzt Station im Frankfurter Hof – bereits 2012 war er mit seiner Show im Unterhaus zu Gast.

Man hat an diesem Abend viel zu lachen. Und ohne dem Künstler zu nahe treten zu wollen: Die Pause, in der per Slideshow seine lustigsten Cartoons unkommentiert auf Leinwand zu sehen sind, steht der locker aufgebauten Bühnenshow in nichts nach. Sie zeigen verschiedene Charaktere: Menschen, Tiere, sogar Pflanzen – und immer sind die kleinen Katastrophen des Alltags Quelle der Inspiration: „Auch in der Tragik liegt große Komik“, erzählt Ruthe, der seine Anregungen bei Arztbesuchen oder im Supermarkt bekommt. 2016 ist der 1972 geborene Zeichner Vater von Zwillingen geworden – weitere Musen stehen also schon in den Startlöchern.

In Mainz erzählt der Künstler bildunterstützt vom Alltag eines Cartoonisten, der natürlich erst um die Mittagszeit beginnt und aus dem Konsum lustiger Katzenvideos und Netflix-Serien besteht. Tatsächlich war es der berühmte und stets erfolglos von Wile E. Coyote verfolgte „Road Runner“, der Ruthe beispielsweise zu seinen Geschichten um einen Baum und einen gefräßigen Biber inspirierte. Erste Zeichnungen machte er mit vier Jahren und nennt französische Kollegen oder die Cartoons von Gary Larson als Vorbilder. Heute, nach Stationen unter anderem bei der Satirezeitschrift „MAD“, kann er von seinem Talent gut leben.

Und das liegt nicht nur im Federschwung, sondern auch in einem feinen Humor, der zwischen Liebenswürdigkeit und Sarkasmus schwankt und selbst Gott und dem Teufel Auftritte verschafft. Manchmal sind es seine Fans, die ihm Anregungen geben. Mit ihnen tritt Ruthe in Mainz in den Dialog und beantwortet sympathisch Fragen. Etwas zu lang geraten die Passagen über sein Treiben in den sozialen Medien, doch gleichen das die lustigen Werbeparodien und gewitzten Bildgeschichten locker aus: „In meinen Augen ist der Cartoon der beste Weg, eine Pointe zu transportieren“, sagt Ruthe, der gekonnt mit Klischees spielt, um die Erwartungen des Betrachters zu brechen. Seine Motivation für die Bühnenshow ist übrigens höchst liebenswert: „Wenn jemand meine Cartoons anschaut und lacht, kriege ich das ja nicht mit. Hier schon.“

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