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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Popacappellacomedy vom Feinsten

MAINZ (14. Februar 2011). In der Jägersprache versteht man unter Feist den Speck des Haarwildes. Angesichts der polierten und vor allem ausladenden Stirnpartien der drei Sänger von „Ganz schön feist“ kann man höchstens in puncto Hochglanz zwischen ihnen und der Schwarte animalischer Waldbewohner einen Zusammenhang herstellen.

Leider hilft der Duden auch mit dem Adjektiv nicht weiter, bedeutet feist doch hier fleischig, füllig, gedrungen, korpulent, mollig, ja sogar plump. Bleibt die Umgangssprache: Und hier trifft das Wörtchen feist, wenn man es mit raumfüllend, kompakt, volltönend übersetzt. Denn nichts anderes ist das gleichnamige Trio.

Mathias Zeh, kurz C. und Rainer Schacht sind seit 20 Jahren dabei, 2004 stieß Christopher Jess nach dem Ausscheiden von Beo Brockhausen dazu. Und so kann die Combo gemeinsam mit ihren Fans auf zwei Dekaden Perfektion im A cappella-Stil zurückblicken. Mit der „The Yellow from Egg“-Tour feiern die Süd-Niedersachsen derzeit ihr Bühnen-Jubiläum. Der gleichnamige Tonträger ist natürlich schon am Markt – doch live ist „Ganz schön feist“ nach wie vor unschlagbar.

Das liegt vor allem am feinen Humor, der auf jeder Note sitzt und nicht selten im Gewand pikanter Selbstironie daher kommt. Grundsympathisch und geschniegelt in grellem Bühnen-Outfit bringen die drei Sänger in ihrer Kolorierung Textmarkern gleich klingende Farbe ins Grau des unsteten Winters. Mit ihrem Bühnenprogramm servieren sie gehörig vokales Cholesterin und der dynamische Dotter kommt sämig daher wie bei einem perfekten Viereinhalb-Minuten-Ei. Dioxin-Skandal war gestern – heute gibt es wieder „The Yellow from Egg“.

Nichts sagendes Phrasendreschen in „Wie geht’s ’n?“, der garstige Nachruf auf einen „guten Freund“ dessen Ableben auf der Beerdigung für reichlich gute Stimmung sorgt, „Dieter“ mit seiner Puppe im Schrank, eine Überdosis in „Aphrodisiakum“, die Aufforderung, geschmeidig zu bleiben oder das Lied vom „Partyelch“ – in harmonischer Gewichtung von Text und Musik trällert „Ganz schön feist“ einen Publikumsliebling nach dem anderen: witzig und mit Hintersinn.

Mathias Zeh verfügt dabei über eine samtig-raue Stimme, deren Timbre er geschickt einsetzt: Mal ironisch spöttisch, mal lasziv-erotisch legt er den Lead-Gesang auf die rhythmisch ausbalancierten und transparent intonierten Vokalisen seiner Kollegen, die entweder komplett a cappella mit Beatbox und Bass, mit knackigem Scat oder passend instrumentiert mit Gitarre, Snare-Drum oder Melodica auftrumpfen.

20 Jahre „Ganz schön feist“ – im Publikum sind mehrere Generationen vertreten, die ihre Lieblinge auch nach mehreren Zugaben nur ungern von der Bühne lassen. Angst, dass die drei vor der Zeit aufhören, brauchen sie indes nicht zu haben: „Wir machen so lange weiter, bis auch Ihr keine Haare mehr auf dem Kopf habt“, verspricht Rainer Schacht mit Nachdruck…

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.ganzschoenfeist.de.

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