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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Zum Niederknien

MAINZ (15. März 2013). Entschuldigung: Torsten wer? Sträter heißt der Mann mit Nachnamen, war erstmals im kleinen Unterhaus zu Gast und hatte mit seinem eintägigen Gastspiel vor Ort gleich mal für ein ausverkauftes Haus gesorgt – im wahrsten Wortsinn also ein Stand up-Comedian.

Wie man das schafft? Man tritt offenbar nur ein einziges Mal bei Stefan Raabs „TV total“ auf. Das ist Sträter nicht gerade peinlich, aber er spielt in einer anderen Liga, so dass er auch beherzt in die Hand beißt, die ihn an jenem Abend nährte. Allein das macht ihn schon mal sympathisch.

Und was macht Torsten Sträter? Literarisches Kabarett ohne Hochmut, Comedy mit Geist, so in etwa. Und das hat Esprit! Der 46-jährige Dortmunder baut ein unglaublich energiegeladenes Spannungsfeld zwischen Zechenkind und Epiker auf, nutzt es zum unterhaltsamen Erzählen von Dichtung und Wahrheit. „Dorfdiscoliteratur“ nennt er das und kommt damit auch bei einem jungen Publikum äußerst gut an – so etwas braucht die Szene!

Ein bisschen Nonsens von Helge Schneider, die Kodderschnauze von Uwe Lyko, das lebendige Erzähltalent eines Horst Evers mit Anklängen des von ihm hochverehrten Jochen Malmsheimer, die Schnoddrigkeit von Heinz Strunk – eine Kopie aber ist Sträter nicht, denn als Topping setzt er auf diese Melange eine Coolness, die nicht gespielt ist, sondern seinen Geschichten jene unglaubliche Glaubwürdigkeit verleihen.

Da ist der Senffleck an der Backe, den ihm die Deutsche Bahn servierte und den er nun als „Orden wider den Kadavergehorsam“ trägt: „Man muss generell so vieles, wenn man im Karussell des Bürgertums mitfährt.“ Mit derart grandiosen Bonmots dekoriert er den Aberwitz des Geschilderten: Im Spielsalon stellt er den neunjährigen Sohn als Schwiegervater gefangen im Körper eines Kindes vor, kämpft mit der dominanten Mutter, die einen Ring Fleischwurst zurückfordert; er hat ein Zirkuspferd und Schulden am Bein, eine Aversion gegen Fußball und Pech in der Liebe; seine Kindheit in Gummistiefeln aber ohne Internet, seine Darmspiegelung in Herne – solch herrliche Absurditäten gießt Torsten Sträter in kolossale Stories, die er mit wohlig-westfälischem Ruhrdeutsch und beneidenswerter Gemütsruhe vorträgt.

Die Tuchfühlung mit dem Publikum gelingt so herzlich wie ironisch. Und man hängt förmlich an seinen Lippen, die stets ein sympathisches Lächeln kräuselt, denn Sträter hat spürbar Freude am Erfolg seiner Epen. Zwei Bücher hat er damit bereits gefüllt – hoffentlich gelingt ihm das auch weiterhin mit den Kleinkunstbühnen dieser Republik.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.torsten-straeter.de.

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