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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Scheiden tut weh

MAINZ – Es ist die traurige Wahrheit: Timm Beckmann und Christiane Weber machen Schluss. Der schmerzliche Verlust, den die deutschsprachige Kleinkunstlandschaft und insbesondere das entstaubte Chanson damit erleiden, wird nur durch die Tatsache gedämpft, dass beide Künstler der Szene zumindest in anderen Formationen erhalten bleiben. Bis 2010 durchgestartet wird, versüßen die beiden ihren Fans den Abschied mit einer Best of-Tour.

Und die führte sie – natürlich – auch ins Mainzer Unterhaus. Hier erhielten sie 2007 den Deutschen Kleinkunstpreis und erspielten sich eine treue Fangemeinde. Und dennoch offenbarte eine kurze Umfrage von der Bühne aus, dass noch immer neue Anhänger dazukommen. Die erlebten während der eintägigen und letzten Unterhaus-Visite des Paares ein wie immer kratzbürstig aufgelegtes Duo, dessen Liebe zueinander gemessen an den Neckereien unendlich groß sein muss: Keine Bemerkung von Christiane Weber ohne Augenrolle ihres Pianisten, keine Replik Timm Beckmanns ohne weibliches Widerwort: Es gibt wenige Doppel, die die Mann-Frau-Karte so elegant ausgespielt haben wie diese beiden.

„Du mich auch“, „Ausversehnsucht“, „Himmel ist oben“ und „Himmelhochjauchzend, zu Tode verliebt“ heißen die erfolgreichen Programme, mit denen die beiden seit 1999 die Kleinkunstbühnen zum Beben brachten. Und das mit einer pikanten Mischung aus Albernheit, hintergründigem Witz und einer Musikalität, mit der sie sich gegenseitig anzustacheln schienen: Am letzten Unterhaus-Abend erklangen viele ihrer „Greatest Hits“ wie der „Wandschrank“, in dem sie 2005 aus dem Katalog eines schwedischen Einrichtungshauses chronologisch die Möbelnamen vertonten: „Und das ist noch immer aktuell“, beteuert Christiane Weber.

Sie konnten ulkig sein, sie konnten absurd sein. Und auch das Be- und Anrühren lag ihnen: Ein letztes Mal erklangen in Mainz die melancholischen Lieder vom sich zu schnell drehenden Liebes-Karussell oder von den beiden Bewohnern eines Goldfischglases, die sich auseinandergelebt haben. Derart zart verpackte Fabeln schufen immer wieder einen gelungenen Gegensatz zu wendungsreichen Songs wie von den Existenzialisten im Park, die Pizza und Bier schnell in die Realität zurückholen. Weber & Beckmanns Spezialität war schon immer die Überraschung: die von der Trennung genau so wie hoffentlich das, was man zukünftig von den beiden vielleicht ja bald auch im Unterhaus zu sehen bekommt.

Was Christiane Weber und Timm Beckmann planen, ist folgender Website zu entnehmen: www.weber-beckmann.de.

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