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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Von Nonsens und Naturwissenschaft

MAINZ (5. November 2015). Die Unterhaus-Glocke läutet im Jahr 2016 nicht nur zahllose Kabarettvorstellungen auf höchstem Niveau ein, sondern auch den 50. Geburtstag des Mainzer Forum-Theaters, einer der wichtigsten Kleinkunstbühnen der Republik. Dessen ungeachtet hat die Jury, die alljährlich die Träger des Deutschen Kleinkunstpreises ermittelt, getagt und gewissenhaft die Kandidaten in angeregter Diskussion durchleuchtet. Das 44. Ergebnis kann sich wieder einmal sehen lassen: am 14. Februar im Unterhaus.

Den Deutschen Kleinkunstpreis 2016 in der Sparte Kabarett erhält Thomas Maurer. Damit zeichnet die Jury einen Künstler aus, der seine pointierten Analysen und exakten Satiren über die Hintergründe gesellschaftlicher Übel und die Mechanismen der Macht dramaturgisch aufwändig zu variieren verstehe: „Als Solist und im Team mit den ‚Staatskünstlern‘ trifft er als sprachgewandte Speerspitze des politischen Kabaretts in Österreich stets auf herausfordernde, fundierte und gewitzte Weise die wunden und wesentlichen Punkte“.

Martina Schwarzmann erhielt 2007 bereits den Förderpreis der Stadt Mainz, jetzt gesellt sich eine zweite Glocke dazu – in der Sparte Chanson, Lied und Musik. Die Oberbayerin ist laut Jury „eine Musikkabarettistin, die mit verschlagenem Charme und grenzenloser Erzählfreude einen schrägen Blick auf das Leben wirft. In ihren Liedern und Geschichten berühren sich leise Poesie und deftiger Unfug. Dabei schlagen die Gedanken von selbst verblüffende Haken.“

Die Sparte Kleinkunst wird vertreten durch die Science Busters, die mit ihrer Wissenschafts-Comedy das Mainzer Publikum erst jüngst im Frankfurter Hof begeisterten. Die zwei Naturwissenschaftler Werner Gruber und Heinz Oberhummer sowie Moderator Martin Puntigam stellten naiv Fragen und antworteten mit Geschichten und Experimenten, zeigte sich die Jury begeistert.

Den Förderpreis der Stadt Mainz zum Deutschen Kleinkunstpreis 2016 erhalten Simon & Jan, laut Juroren ein Duo, das lakonisch zu politisch und gesellschaftlich angesagten Themen Haltung zeigt: „Die Meister in Gitarrenspiel und Harmoniegesang Simon Eickhoff und Jan Traphan sind leise, hinterhältig, hintergründig und manchmal böse. Sie sprechen wenig, ihre Lieder sagen alles.“

Das Quintett der Preisträger komplettiert der mit dem Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz Ausgezeichnete: Helge Schneider. Auch wenn man zu diesem Preisträger wahrscheinlich Bände schreiben könnte, kommt die Jury mit wenigen Worten aus. Für sie ist Schneider „ein Genius, der mit seinen abgedrehten Geschichten, seinem stupenden musikalischen Können und vor allem mit der unverbesserlichen Phantasie seines Kindskopfes Generationen von Künstlern inspiriert und ermuntert hat, in die Fußstapfen seiner Plateauschuhe zu treten – ein Tausendsassa, der vor keiner noch so irren Idee zurückschreckt“.

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