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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Barock mit Eile und Weile

BUDENHEIM (16. Dezember 2010). Ein bisschen zerrissen fühlte man sich schon nach dem jüngsten Konzert in Schloss Waldthausen, dem letzten in diesem Jahr: Es war zwar nur eines von fünf Werken, mit dem die Akademie für Alte Musik Berlin nicht überzeugen konnte. Aber dabei handelte es sich ausgerechnet um das fünfte Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach!

BWV 1050 in D-Dur ging man mit einem Tempo an, das der Musik schlicht zuwiderlief: Wenn die anfangs bei Telemann und Vivaldi unter Beweis gestellte Homogenität um der Schnelligkeit willen geopfert wird, dann stimmt etwas nicht. Der sportive Ehrgeiz ging allemal zu Lasten der Komposition, an deren Finessen die Musiker eilends vorbeihasteten, phasenweise auch stolperten. Einzig die Solokadenz des Cembalisten Raphael Alpermann war ein Glanzpunkt in dieser Jagd – vor allem, weil er sie unterbrach.

Weitaus mehr überzeugen konnten die Künstler aus der Hauptstadt mit den übrigen Konzerten, um gleich bei Bach zu bleiben, dessen zweite Ouvertüre h-moll (BWV 1067) ein gelungenes Finale bot: Das fließende Rondeau des zweiten Satzes, die pointierte Polonaise und das galante Menuett machten doppelt neugierig auf die bekannte Badinerie, die Flötist Christoph Huntgeburth brillant interpretierte. Hier war auch das rasche Tempo angemessen, denn es beleuchtete in kurzer Sequenz das Können der Spezialisten für Alte Musik.

Den gleichen Geist atmete die „Folia“ von Arcangelo Corelli. In dieser wohl bekanntesten Reihung von Variationen musizierte Alpermann gemeinsam mit Konzertmeister Georg Kallweit (Violine) und Jan Freiheit (Violoncello) hochvirtuos und mit hinreißender Inbrunst, wobei sich das Cello zuweilen aus dem Basso Continuo löste, um mit der Violine in einen melodiösen Dialog zu treten.

Im Tutti interpretierte die Akademie für Alte Musik neben Bach die „Völker-Ouvertüre“ B-Dur von Georg Philipp Telemann (TWV 55:B5) und das g-moll-Konzert von Antonio Vivaldi (RV 156). Sehnte man sich am Anfang der Ouvertüre aufgrund der solistischen Besetzung noch ein wenig nach mehr Opulenz, schlug einen doch rasch die umso deutlichere Transparenz in ihren Bann. Die einzelnen Tanzsätze, in denen Telemann kulturanthropologische Marotten der damaligen europäischen Nachbarn karikiert, gerieten ebenso vital wie der Streicherklang bei Vivaldi; hier tupfte das Continuo seine Akkorde mit abgefedertem Staccato in die Atmosphäre der wunderbar leicht korrespondierenden Violinen und zeitweilig neigte sich der Klang elegant in einen fast schon swingenden Duktus.

SWR2 sendet einen Konzertmitschnitt am 22. Januar 2011 ab 20.03 Uhr.

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