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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Wenn Adolphe Sax das hören könnte…

BUDENHEIM – Zum Glück braucht man das Lexikon nicht zu bemühen, um das Wort „Alliage“ nachzuschlagen, denn das Programmheft des jüngsten SWR2-Konzerts in Schloss Waldthausen hilft einem weiter: Alliage heißt Legierung. Und nicht umsonst hat sich das Alliage Quintett diesen Namen gegeben, präsentieren die vier Saxophonisten mit ihrer Pianistin doch ebendiese Legierung als Verschmelzung verschiedener Spielarten und Stile.

Schon das Instrument ist ja eine Alliage aus Kupfer und Zink. Das Spiel des gleichnamigen Quintettes hat ebenfalls mehrere Komponenten: klassischen Jazz sowie angejazzte und arrangierte Klassik „pur“.

Und es ist schillernd: mal strahlend wie das Metall des Sopransaxophonisten Daniel Gauthier, mal mit einer befremdenden Patina belegt wie das Baritonsaxophon von Sebastian Pottmeier, der im Quintett, das Lutz Koppetsch (Altsaxophon) und Koryun Asatryan (Tenorsaxphon) mit Pianistin Jang Eun Bae komplettieren, auch als Arrangeur wirkt.

Und so wechseln sich Bekanntes und Unbekanntes ab, sei es durch den anmutigen Klang oder die auch mitunter befremdliche Bearbeitung. Am besten wird dies gleich zu Beginn deutlich – in den drei „Nussknacker“-Fantasiestücken nach Peter Tschaikowksy in der Bearbeitung von Jun Nagao (* 1964).

Das in Schloss Waldthausen gespielte Programm führt in der Zeit zurück bis in die Epoche der Romantik, hatte doch Mitte des 19. Jahrhunderts der Belgier Adolphe Sax sein Instrument für ebendiese Musik entwickelt – vom Jazz ahnte damals noch niemand etwas.

Der aber schimmert im Spiel des Alliage Quintetts immer wieder durch: Natürlich bei der Suite nach Gershwins „Porgy and Bess“, in der man im breiten Big Band-Sound die Klappen springen lässt; aber auch in der bearbeiteten Klassik wie in Rimsky-Korsakows Suite nach „1001er Nacht“ und der „Alliages Russian-Ballet-Favorites-Suite“ mit Stücken von Reinhold Glière, Igor Strawinsky, Aram Chatschaturjan und Dmitri Schostakowitsch.

Virtuos und mit Furore wird hier musiziert: Der zarte Schmelz des Soprans, der satte Klang von Alt und Tenor sowie die kräftige Grundierung durch den Bass lassen diese Musik transparent und homogen klingen, wobei sich Vertrautes und Befremdliches angenehm kribbelnd die Waage halten.

Das Alliage Quintett hat bei Sony eine CD mit der von Jun Nagao bearbeiteten „Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi und Originalkompositionen von Johann Sebastian Bach eingespielt (siehe CD-Tipp).

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