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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klangfarben auf allen Saiten

MAINZ – Das Barrios Guitar Quartet fühlt sich nicht nur in allen Stilen wohl, es ist sogar überall zuhause, was ihr Auftritt im Rahmen des Mainzer Musiksommers bewies. In der Mainzer St. Antoniuskapelle spielten sie jetzt ein Programm mit Werken von Purcell und Boccherini bis Goss und Torroba, freilich stets mit dem vitalen Gout von spanischer Folklore.

Wobei man der der Gitarre sicherlich Unrecht tut, verbannt man sie einzig in die Welt der Chansons, der spanischen oder slawischen Volksmusik. Mögen die bekannteren Kompositionen für dieses Instrument aus dem viel besungenen „Lande der Torreros“ kommen: Die Bearbeitungen für Gitarre – und hier sogar für vier! – sprechen zuweilen eine andere Sprache.

Von Federico Moreno Torroba stammte das einzige Werk des Abends, das explizit für vier Gitarren geschrieben wurde: „Estampas“. In vier Bildern vom Tanz über die Stille und eine bäuerliche Hochzeit bis zum Kinderspiel hat der Komponist hier intensive Stimmungen eingefangen, die Ulf Borcherding, Stefan Hladek, Nangialai Nashir und Martin Wentzel ansprechend und im lebendigen Zusammenspiel umsetzten.

Transparenz und gegenseitiges Zuhören, solistische Produktion und harmonisches Diminuendo zugunsten der musikalischen Kombattanten sind die Markenzeichen der vier Musiker, die sich in allen Stilen zuhause fühlen. Modulationsreichtum, große Bögen und klangliche Kleinodien in der ursprünglich für Klavier zu vier Händen geschriebenen „Petite Suite“ von Claude Debussy gelingen ihnen ebenso farbig wie die „Suite de Pulcinella nach Pergolesi“, in der Igor Strawinsky die Behäbigkeit jener Zeit behutsam, doch erfrischend mit ungewohnten Klängen durchwirkt hat.

Nicht nur die Techniken wie Picking (Zupfen), Strumming (Schlagen), Muting (Dämpfen) und perkussive Elemente im Anschlag oder die Flageoletts, das Ziehen oder Gleiten auf den Bünden beherrschen die vier Künstler in der Tat mit leichter Hand. Mal hört man „nur“ vier Gitarren, mal mutet das Spiel filigran wie das einer Harfe an, mal meint man den Klang von Mandolinen wahrzunehmen und mal ein munteres Lautenspiel.

Das Barrios Guitar Quartet nähert sich jeder Komposition, jeder Epoche und jedem Stil immer wieder aufs Neue an. Und so bekommt die Suite aus „The Fairy Queen“ von Henry Purcell einen frischen barocken Klang, der in übermütigen und rustikalen Tänzen sowie mit behänder Leichtigkeit und verträumtem Kolorit daher kommt.

Höhepunkt des Konzerts in der intimen Atmosphäre der St. Antoniuskapelle waren jedoch die „Gnossiennes after Erik Satie“ des 1964 geborenen Stephen Goss: Zwei der „Gymnopédies“ hatte Debussy für Orchester bearbeitet, die Goss wiederum für Gitarrenquartett umschrieb; sie wurden eingerahmt von wunderbar zart intonierten und wie durchsichtigen „Gnossiennes“, die wohl deutlich an Satie erinnern, wohl aber ihre eigenen Charaktere haben, die mitunter durch den Blues geprägt sind.

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