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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Sieg nur in Dettingen

KIEDRICH (16. August 2012). „Sieg in Dettingen! Englands und Österreichs Truppen schlagen französische Armee!“ Fast hörte man einen Zeitungsjungen die Schlagzeile durchs Kirchenschiff von Kloster Eberbach rufen. Vielleicht mag es Händel ja ebenso gegangen sein, als er, seit 1723 Hofkomponist, hierauf ein „Te Deum“ mit dazugehörigem Anthem schrieb? Auf jeden Fall hat schon der Beginn etwas Erhabenes, das sich durch das ganze Werk zieht.

Diesen Impetus erfasste die Aufführung durch den Bachchor Siegen und das Kölner Kammerorchester unter Ulrich Stölzel, wobei es vor allem die Instrumentalisten waren, die für Tempo sorgten. Gemeinsam bildete man eine über weite Strecken tragfähige Einheit, die den Jubel wiedergab: Die Trompetenfanfaren durchdringen die Thematik des ganzen Werkes und geben ihm seinen festlichen, weiträumigen Charakter, was bestens an diesen Ort passt. Die kurzen, prägnanten Akklamationen des Chores wiederholen sich eindringlich und klangschön gelang hier der kurze A cappella-Part der Frauenstimmen, bevor der pompöse Schluss Erinnerungen an das „Hallelujah“ aus dem Messias weckte.

Konnten Chor und Orchester trotz manch agagogischer Schwächen gefallen, war dies dem Solistenquartett von äußerst durchwachsener Güte nur partiell gegeben: Sabine Schneiders Sopran missbehagte durch zu viel Tremolo, Franz Vitzhums Altus war kaum zu hören und Andreas Posts Tenor hatte mit der Intonation zu kämpfen. Wortwörtlicher Lichtblick war hier einzig Klaus Mertens, der den Löwenanteil der Soli mit gewohnter Eleganz und Klangreinheit gestaltete. Sein Bariton ist sowohl in warm strahlender Höhe als auch in kernig kraftvoller Tiefe zuhause und seine blutvollen Crescendi begeistern nachhaltig.

Einen bewussten Stilbruch erlebte das Konzert des Rheingau Musik Festivals im zweiten Teil mit dem Magnificat von John Rutter (*1945): Wer den Händel liebte, wurde dabei auf eine harte Probe gestellt, denn auch wenn Chor wie Sabine Schneider hier hörbar mehr beheimatet waren als im Barock, ermüdeten die einlullend weiten Bögen dieser Mixtur aus Musical und Filmmusik doch auf die Dauer. Eingängig gestaltet zeigt der Komponist nur zu Beginn und im „Fecit potentiam“ rhythmischen Schneid und belässt das Werk ansonsten eher im stilistisch Seichten. So verdrängte die eigenwillige Dramaturgie des Abends die positiven Eindrücke aus dem ersten Teil, so dass man sich zuletzt doch nur an den herrlichen Bass von Klaus Mertens erinnerte.

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