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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Headbanging im Walzertakt

MAINZ (10. August 2011). „Was macht eigentlich…?“ So nennt eine große deutsche Illustrierte eine Rubrik, in der sie einstige Größen aus Politik, Kultur und Gesellschaft aufsucht und ihr heutiges Leben skizziert. Bei vielen Schlager-Stars hingegen möchte man das gar nicht so genau wissen: Wenn sie ihr Leben nicht wie Roy Black in einer einsamen Fischerhütte ausgehaucht haben oder wie Rex Gildo aus Fenstern fielen, dann fristen sie ihr Dasein nicht selten als Möbelhaus-Eröffnungs-Attraktion oder gehen wie Costa Cordalis und Bata Illic als Monarchie-Aspiranten in den australischen Dschungel.

Ihre Lieder aber leben, denn noch immer ist Musik Trumpf, wie der Titel jener legendären ZDF-Schlager-Parade lautete, die von 1975 bis 1981, dem Gründungsjahr des KUZ, jeden Samstag ins Wohnzimmer geflimmert kam. Das weiß auch Dieter Thomas Kuhn, der im Mainzer Kulturzentrum jetzt zur großen Open-Air-Schlager-Party aufspielte. Der Euro-Krise widmet der Barde „Griechischer Wein“, den Stuttgartern „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“; „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ hingegen trotzt großen Einkaufszentren sowie dem Rauchverbot und auch „Es war Sommer“ scheint von einer unglaublichen Aktualität.

Dabei nimmt sich Kuhn den Hits von gestern stets mit eigenen Arrangements an, die von einer grandiosen Kapelle rasant intoniert werden. Wie „Über den Wolken“: Klassisch beginnt der Barde den Chanson von Reinhard Mey solo an der Gitarre; doch es dauert nicht lange und das Publikum singt aus voller Kehle mit, so dass Kuhn einem Fluglotsen gleich die Arbeit ruhen lässt, bis die Band mit sattem Sound die Ballade vom Fernweh rockig aufbläht. Keine Frage: Hier wird die Tradition gepflegt, indem man die Glut weiterträgt anstatt nur die Asche anzubeten.

Doch selbst wenn die Musik Trumpf ist, zählt auch das Drumherum. Ein richtiger Fan hat sich in Schale geworfen: bei den Herren Schlaghose, Cord-Jackett, Hemdkragen und Krawatten, die blind machen, kurze Röckchen, hohe Stiefel mit noch höheren Absätzen und breite Gürtel bei den Damen, die zuvor die Sonnenblumenfelder der Rhein-Main-Region abgeerntet zu haben scheinen und deren sehnsüchtiger Blick unter Stirnbändern oder hinter riesigen Sonnenbrillen schmachtet. Die Stimmung vor der KUZ-Bühne ist entsprechend: Es dauert nicht lange, da fliegen die ersten Büstenhalter auf die Bühne und ein junger Mann bekennt freimütig auf seinem T-Shirt: „Dieter, ich bin ein Kind von Dir.“

Und dann war da noch der ältere Herr, der mit seinem klapprigen Fahrrad die lange Schlange vor dem KUZ umradelte – ein fleckiger „Atomkraft? Nein danke!“-Aufkleber zierte sein Schutzblech. Alles kommt eben irgendwann wieder…

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