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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Hilliard Ensemble singt vom himmlischen Leben

KIEDRICH – Das Hilliard Ensemble ist nicht nur für seinen makellosen Gesang bekannt, sondern betätigt sich auch immer wieder gerne als singende Archäologentruppe, wobei ihr Augenmerk seltener verschollenen Fragmenten großer Klassiker als vielmehr dem vor allem westlichen Hörgewohnheiten Ungewohnten gilt.

Das Programm „Arkhangelos“, das die Briten jetzt dem Programmschwerpunkt „Das himmlische Leben“ im Rheingau Musik Festival beisteuerten, ist hierfür ein klingendes Beispiel und nahm das Publikum mit zu einem faszinierenden Rundgang auf unbekanntem musikalischem Terrain.

Mittelpunkt dieser Reise waren mit den „Sharakans“ Kirchengesänge, die wesentlich älter als die Gregorianik sind: Die Verschmelzung aus armenischer Tradition und Liturgien mit ihrem arabischen Touch klingt anfangs befremdlich, nicht zuletzt wegen ihres zu Grunde liegende Tonsystems des Tetrachords mit festen Außen- und variablen Innentönen. Doch man hört sich rasch hinein in diese kargen Gesänge mit ihrem spröden Anmut.

Denn das Hilliard Ensemble gräbt ja nicht nur aus, sondern nimmt sich dem interessanten Fund auch stets mit Hingabe an. So entstand mit den „Sharakans“ und den flankierenden Werken aus alter und neuerer Zeit ein akustisches Panorama, das die raue Landschaft Armeniens rund um das Kloster Saghmosavank widerspiegelte, in dem sich David James (Countertenor), Rogers Covey-Crump und Steven Harrold (Tenor) sowie Gordon Jones (Bariton) eingehend mit den armenischen Gesängen befassten.

Genauso fassungslos vor Staunen, mit der man sich zu Zeiten der Olympischen Spiele vielleicht manch grazile Sportart, die einem die Athleten telegen im heimischen Wohnzimmer vorturnen, anschaut, hörte man in Kloster Eberbach das Hilliard Ensemble singen. Unermesslich tief ist die Bewunderung ob des Könnens, das so unverkrampft und wie selbstverständlich wirkt. Als die Klänge von James MacMillans (*1959) „…here in hiding…“ verklangen, hätte man eine Mücke husten hören können.

Das Kreisen um Wohlklang und Disharmonie, eine langsam erwachsende Polyphonie, das Umspielen des Grundtons, eruptives Rezitativ und Cluster von anmutiger Schönheit sind die stilistischen Eckpunkte des Programms „Arkhangelos“, das seinen Titel vom gleichnamigen Stück des 1964 geborenen Ivan Moody erhielt. Das Hilliard Ensemble sang hier ein Konzert von graziler Schlichtheit, das mit Arvo Pärts (*1935) „Most Holy Mother of God“ und den von Solomon Sogomonjan (1869-1935) arrangierten Sharakans Momente inniger Versenkung schenkte.

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