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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Veni, veni Emmanuel...

WIESBADEN – Die englischen King’s Singers wurden im vergangenen Jahr 40 Jahre jung und gehören mit zu den bekanntesten und besten Vokal-Ensembles weltweit. Seit Beginn des Rheingau Musik Festivals sind sie immer wieder gern gesehene wie gehörte Gäste und sorgten auch in der Weihnachtssaison 2009 im Friedrich von Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses für ausverkaufte Reihen.

Der Anlass sollte trotz der pompös wirkenden Lokalität so schlicht sein wie das etwas einsame, von einer Kerze illuminierte Tannengrün am vorderen Bühnenrand: still und andächtig, ein Pendant zur Hektik der Vorweihnachtszeit, ein Adventskonzert eben.

Was die künstlerischen Qualitäten der King’s Singers betrifft, so ist auch die aktuelle Besetzung – David Hurley und Timothy Wayne-Wright (Countertenor), Paul Phoenix (Tenor), Philip Lawson und Christopher Gabbitas (Bariton) sowie Stephen Conolly (Bass) – über jeden Zweifel erhaben: Anstelle eines glatt geschliffenen Ensembleklangs, dem in seiner sterilen Perfektion bei anderen Formationen fast schon etwas Synthetisches anhaftet, hört man hier sechs höchst individuelle Stimmfärbungen vom schillernden, fast knabenhaften Counter bis zum grundierten Bass, die sich jedoch stets zu jenem unverwechselbaren King’s Singers-Sound mischen. Sauber intonierend und elegant kann dieser vokale Klangkörper jeden Stil umsetzen, was die umfangreiche Diskographie der Briten und auch ihr Gastspiel in Wiesbaden trefflich beweisen.

Doch dieser Auftritt im Kurhaus hatte auch etwas Befremdliches, ja Störendes. Das lag vor allem am klatschwütigen Publikum, das kaum den letzten Ton abwarten wollte und nach jedem Lied stürmische Ovationen hören ließ – ganz gleich, ob die King’s Singers mit anrührender Dynamik ihre wunderbaren Lawson-Arrangements von „Veni, veni Emmanuel“ und „Maria durch ein Dornwald ging“ oder Poulencs „La blanche neige“ und Saint-Saëns „Sérénade d’hiver“ anstimmten. Da die Künstler selbst noch fast jedes Lied kommentierten, kam adventliche Stimmung gar nicht erst auf.

Ein kunterbuntes Programm aus Weihnachtsliedern von Praetorius und Schütz bis Arvo Pärt wurde mal mehr, mal weniger passend von hispanischen Moritaten und einer finalen Melange aus Weihnachtsschlagern wie „Jingle Bells“ oder Beatles-Songs durchschossen. Und so hatte der Abend denn doch eher den Charme des lärmenden Weihnachtsmarktes, der nur wenige Meter weiter in der Wiesbadener Innenstadt tobte: In dampfender Glühweinseligkeit findet sich hier zwischen allerlei Tand, der mit Weihnachten so viel zu tun hat wie das geschenkte Ballerspiel mit dem Fest des Friedens, natürlich auch so manches kunsthandwerkliche Kleinod. Doch der penetrante Gout von Currywurst und gebrannter Mandeln lässt einen letztendlich etwas enttäuscht nach Hause gehen.

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