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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Eindringliche Stimmpräsenz

MAINZ (9. Januar 2013). In der Reihe „Orgel plus“ lud der Bachchor Mainz jetzt zu einem Konzert besonderer Güte in die Christuskirche: Gast von Organistin Petra Morath-Pusinelli war der Bassbariton Klaus Mertens, der dem Mainzer Publikum dank mancher Gastspiele vor Ort bei weitem kein Unbekannter ist.

Leider fanden sich trotzdem nicht allzu viele Zuhörer für diese Soiree – schade! Denn leere Bänke düpieren nicht nur den Künstler, sondern schmälern mitunter auch die Atmosphäre eines Konzerts. Die Künstler indes ließen sich nichts anmerken und boten ein anspruchsvolles Programm, das geistlichen Liedgesang aus vier Jahrhunderten vorstellte.

Wobei es fast egal scheint, was Klaus Mertens singt: Mit seinem samtweichen Bassbariton, für den der Begriff Intonationsschwankung ein unverständliches Fremdwort zu sein scheint und der sowohl im hauchdünnen Pianissimo als auch im kraftvollen Forte eine eindringliche Stimmpräsenz hat, wird jedes Lied zum puren Wohlklang.

Von Morath-Pusinelli einfühlsam an der Truhenorgel oder am Spieltisch der Förster & Nicolaus-Orgel begleitet versenkt sich Mertens in die Töne der Partitur, wobei er sein Publikum sachte mitzieht: „Cantabo Domino“ von Alessandro Grandi (1570-1630), „Bringet her dem Herrn“ von Heinrich Schütz (1585-1672) oder „Allein nach Dir, mein Herr und Gott“, „Herr, der du die Sternenbogen“ und „Süßer Christ“ von Christoph Bernhard (1627-1692) – Mertens interpretiert die Lieder nicht durch Affekt, sondern fesselt, indem er erzählt, wobei seine delikate Diktion die vokalen Gesten noch unterstreicht.

Natürlich ist er besonders bei Johann Sebastian Bach (1685-1750) zuhause: Die Lieder aus „Schemellis musicalischem Gesangbuch“ klingen bei ihm deswegen so schön, weil er eben keine „Show“ daraus macht, sondern sie in ihrer ansprechenden Schlichtheit intoniert. Gerade dadurch adelt er die brillant ausgesungenen Chorallinien mit ariosem Ton, wenn er federleicht „Kommt, Seelen, dieser Tag“ anstimmt oder mit „Brunnquell aller Güter“ und „Ich steht‘ an deiner Krippen hier“ das Gemüt streichelt.

Petra Morath-Pusinelli schafft mit Orgelsoli, darunter Bachs Choralbearbeitung von „Jesu, meine Zuversicht“ (BWV 728) und Max Regers (1873-1916) Toccata und Fuge op. 80, meditative wie sinfonische Zwischenspiele, bevor sie gemeinsam mit Mertens in sechs Stücken aus den Biblischen Liedern op. 99 von Antonin Dvořak (1841-1904) einmal mehr gekonnt stilistische Breite und Tiefe auslotet.

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